"Wohn-Riestern trifft die Wünsche der Menschen"

Wohn-Riestern ist massentauglich. Es erfüllt die deutschen Wünsche nach Sicherheit und Planbarkeit.

Wohn-Riestern ist massentauglich. Es erfüllt die deutschen Wünsche nach Sicherheit und Planbarkeit.

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„Alle reden übers Riestern für die Altersvorsorge, aber keine Sau versteht’s“, hat Bernd Häusel richtig erkannt. Bernd ist das leicht chaotische Oberhaupt jener Familie, mit der die Landesbausparkassen seit Anfang des Jahres in TV-Spots für ihre LBS-Wohn-Riester-Verträge werben. Wenn sich Bernd nicht gerade von seiner Tochter beim Monopoly-Spiel um sein Eigenheim betrogen fühlt, ist er „von Haus aus entspannt“ und lobt die Vorzüge der speziellen Sparform.

Sehr unterhaltsam, sehr plakativ, null informativ. Es wäre aber auch etwas zu viel verlangt, in einer Minute Klarheit ins Regelkonstrukt Eigenheimrente zu bringen. Im Verkauf scheint die Komplexität des Produkts nicht zu stören. Im laufenden Jahr hat Wohn-Riester die anderen geförderten Mitstreiter klar abgehängt.

Knapp 200.000 Riester-Verträge erhöhten im ersten Halbjahr den Bestand auf rund 15,5 Millionen. Zwei Drittel des Neugeschäfts waren Eigenheimrenten. Im zweiten Quartal lag ihr Anteil sogar bei 80 Prozent. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sieht darin „die Tendenz zur Sachwertanlage durch Investitionen in selbst genutzte Immobilien über das Wohn-Riestern“.

Der Wohn-Riester-Absatz ist allerdings nicht in die Höhe geschossen. Er ist vielmehr stabil geblieben, während Fondsund Versicherungslösungen komplett eingeknickt sind. Jährliche siebenstellige Zuwächse, wie sie die vergangenen Jahre brachten, sind in weite Ferne gerückt. Union Investment, der Marktführer beim Fonds-Riestern, nennt vor allem zwei Gründe für die Zurückhaltung.

Erstens sei die zunehmende Marktausschöpfung nach zehn Jahren Riester-Rente vollkommen normal. Und zweitens habe die „pauschale und teilweise ideologisch geprägte Kritik“ in jüngster Zeit die Menschen verunsichert. Pünktlich zum zehnten Geburtstag hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im vergangenen Herbst das Produkt an den Pranger gestellt und erneut eine hitzige Diskussion entfacht.

„Mehr Produkttransparenz und Vergleichbarkeit würden zur Versachlichung führen“, meint Thomas Richter. Der Hauptgeschäftsführer des BVI begrüßt daher das geplante Produktinformationsblatt für Altersvorsorgeverträge, das alle geförderten Produkte einheitlichen Standards unterwerfen soll. Die Bundesregierung will neben der einheitlichen Produktinfo auch mehr finanzielle Zurückhaltung der Anbieter. Wechselkosten sollen künftig gedeckelt werden.

Wohn-Riester ist sicher


An den Bausparkassen ist diese Diskussion weitgehend vorbeigegangen. Sie verkaufen einfach weiter. „Wohn-Riester trifft die Wünsche der Menschen. Sicherheit, Planbarkeit und günstige Zinsen stehen im Mittelpunkt“, erklärt Siegfried Bauer den Siegeszug der geförderten Bausparverträge.

„Die eigene Immobilie ist die einzige Altersvorsorge, die Verbraucher schon vor dem Renteneintritt genießen können“, so der Bereichsleiter Kommunikation, Politik und Gesellschaft bei Schwäbisch Hall. Ein weiterer Vorteil ist sicher die späte Geburt. Die ersten Wohn-Riester-Produkte kamen erst im November 2008 auf den Markt, die Marktdurchdringung ist noch entsprechend gering.

Nachteile sind vor allem die komplizierten Regeln, wenn das über Riester geförderte Eigenheim verkauft werden soll, sowie das Steuerthema. Wie bei allen Riester-Produkten ist im Alter eine nachgelagerte Versteuerung fällig. Dann fließt dem Vorsorger jedoch keine Liquidität zu, und er muss die Steuer selbst aufbringen.

Auch hier will die Regierung nachbessern. Unter anderem sollen die auf dem fiktiven Wohnförderkonto erfassten Förderbeträge nur noch mit einem statt wie bisher 2 Prozent pro Jahr erhöht werden. Die Steuerlast im Alter würde dadurch sinken. Zudem soll es auch geförderte Darlehen für bestimmte barrierereduzierende Umbauten geben.

Bonus für Bausparer

Wohn-Riester umfasst zwei zentrale Produkte: den Riester-Bausparvertrag und das Riester-Darlehen. Der Bausparvertrag richtet sich an Kunden, die in mehreren Jahren ein Eigenheim kaufen oder bauen wollen. Er entspricht dem klassischen Bausparvertrag. Die Kunden zahlen in einen Sparvertrag ein, ihren Eigenbeitrag plus die Riester-Förderung.