Wolfgang Menzl: "Wir haben 2006 unseren letzten Containerfrachter geordert"

Von Kopf bis Fuß auf Schiffe eingestellt: Wolfgang Menzl ist Geschäftsführer bei Conti Corona, der Vertriebstochter der Münchener Conti-Unternehmensgruppe.

Von Kopf bis Fuß auf Schiffe eingestellt: Wolfgang Menzl ist Geschäftsführer bei Conti Corona, der Vertriebstochter der Münchener Conti-Unternehmensgruppe.

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Wir befinden uns im Jahr 2012 n. Chr. Die ganze Schiffsbranche ist in der Krise. Die ganze Branche? Nein! Ein von unbeugsamen Reedern bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten … Keine Sorge, Asterix und Obelix sind nicht unter die Bootsbauer gegangen. Und bei dem Dorf handelt es sich um kein gallisches – wohl aber um eins, das man scherzhaft das größte der Welt nennt: München. Und dem dort ansässigen Emissionshaus Conti scheinen selbst die Monsterwellen der maritimen Mega- Krise nichts anhaben zu können. „Kein Schiff ohne Einnahmen, keine Insolvenz, keine Kapitalerhöhungen, keine Nachforderungen an die Anleger“, bilanziert Geschäftsführer Wolfgang Menzl.

Pool-Lösung für die Flotte

Wie das möglich ist? „Wir haben wohl unsere Hausaufgaben gut erledigt“, sagt Menzl. „Und wir bleiben unserer konservativen Strategie treu. Beispielsweise fahren unsere Schiffe nicht erst seit Kurzem, sondern bereits seit zwölf Jahren im Pool. Wir hatten recht früh erkannt, dass es ein einzelnes Schiff im globalisierten Wettbewerb durchaus schwer haben kann.“ Wenn Menzl das berichtet, klingt er nicht triumphierend, fast bescheiden – nichts an ihm erinnert an die Grandezza einiger Goldknopf-Sakko-Reeder aus nördlicheren Gefilden.

Sein Haus hat nie spekulativ Schiffe bestellt: „Unsere Gesellschafter investieren auch mit ihrem Privatvermögen. So werden Entscheidungen nicht nur aus dem Geschäftszweck heraus getroffen.“ Da Conti bereits seit 1970 am Markt ist, hat das Haus einige Zyklen des maritimen Markts miterlebt. Diese Erfahrung lässt einen vorsichtig werden. „Wir haben 2006 unseren letzten Containerfrachter   geordert“, sagt Menzl. „Die hohen Einkaufspreise und Charterraten vor allem bei den großen Schiffen passten nicht zu uns.“ In der Folge verlegte sich Conti auf den Bereich Massengutfrachter (Bulker): „Unterlegt mit langfristigen Verträgen bonitätsstarker Charterer, wie wir das immer machen.“

Langfrist-Vercharterung hat in der Boom-Phase mancher Konkurrent belächelt. Zu groß schienen die Chancen, mit kurzfristigen Verträgen im sogenannten Spot-Markt immer neue Höchststände mitnehmen zu können. „Unsere Philosophie, lieber auf Sicherheitskriterien zu setzen, hat man teils als langweilig abgetan“, so Menzl. „Doch wir bieten Schiffe für branchenfremde Anleger an, die ihr Geld über zehn Jahre und mehr binden. Also sollte man Einnahmesicherheit und Risikoreduzierung nach vorn stellen.“