Allianz macht Kosten transparent

Der Branchenprimus wagt sich vor: Ab sofort soll es<br>mehr Druchblick bei Kosten und möglichen Renditen geben.<br>Foto: Getty Images

Der Branchenprimus wagt sich vor: Ab sofort soll es
mehr Druchblick bei Kosten und möglichen Renditen geben.
Foto: Getty Images

// //

Das Wesentliche steht auf Seite 10: „Dem Vertragsguthaben werden vor Rentenbeginn fixe Verwaltungskosten in Höhe von jährlich 36 Euro bis zum 30.04.2040 und in Höhe von jährlich 72 Euro ab dem 01.05.2040, die sich durch die Überschussbeteiligung (nicht garantiert) von jährlich 36 Euro (Stand 2010) ab dem 01.05.2040 auf jährlich 36 Euro verringern, entnommen. Außerdem werden dem Vertragsguthaben vor Rentenbeginn Verwaltungskosten in Höhe von jährlich 1,20 Euro pro 100 Euro Sicherungsguthaben entnommen.“

Egal, wie engagiert sich ein Versicherungskunde daran macht, diese Kostenpassage seines Rürup-Vertrags zu verstehen – am Ende dürfte er scheitern. Dabei sollte es den großen Durchblick eigentlich seit Juli 2008 geben. Damals verpflichtete der Gesetzgeber Versicherer in der Informationspflichtenverordnung (VVG-InfoV) dazu, Kunden kurz und verständlich über Abschluss- und laufende Kosten aufzuklären. Auf einen Blick sollten Versicherte erkennen, was sie ein Vertrag kostet.

Von Vergleichbarkeit und Verständlichkeit keine Spur

„Davon kann keine Rede sein“, sagt Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA). Er hat sich die Informationsblätter von 50 Rürup-Produkten der größten Versicherer angeschaut. Fazit: Von Vergleichbarkeit keine Spur, die Verständlichkeit lässt oft zu wünschen übrig.

Drei Ursachen dafür macht Ortmann aus: „Die Gesellschaften setzen erstens bewusst Verschleierungstaktiken ein, um Gebühren zu verdecken und so teurere Produkte zu verkaufen. Zweitens erfassen die gesetzlichen Vorgaben wesentliche Kostenbestandteile wie Fondskosten nicht.“ Und drittens habe der Gesetzgeber den Unternehmen Spielräume bei den Produktinformationsblättern eingeräumt. „Und die schöpfen die Unternehmen größtmöglich aus“, sagt Ortmann.

Dem Gesetzgeber passt das nicht. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner warnte die Anbieter unterschwellig bereits, die Bundesregierung prüfe, „ob die Kostentransparenz in der Praxis tatsächlich ausreichend gewahrt ist“. Zu welchem Schluss diese Prüfung kommen wird, ist eindeutig. Eine zweite Infopflichtenverordnung, die darauf reagiert, wünscht sich freilich keiner.

Allianz führt Gesamtkostenquote ein

Deshalb versuchen die Anbieter nun selbst, mehr Durchblick zu schaffen. Als Maß aller Dinge scheint sich dabei die in Großbritannien übliche Kennzahl „Reduction in Yield“ (RIY) zu etablieren. Diese Prozentzahl gibt an, wie stark die Vertrags- und Kapitalanlagekosten die Bruttorendite (yield) einer Lebensversicherung pro Jahr reduzieren.  Ein Beispiel: Der Versicherer unterstellt eine Brutto-Wertentwicklung von 6 Prozent. Abzüglich Fondskosten von 1,4 sowie Vertragskosten von 1,2 Prozent ergibt sich eine Rendite von 3,4 Prozent.

Als erster Versicherer führte Standard Life die Kennziffer 2008 hierzulande ein – und musste dafür ordentlich Kritik einstecken. „Weil wir keine Kosten mehr versteckten, galten wir als teuer“, sagt Bertram Valentin. „Dadurch konnten wir insbesondere unabhängige Vermittler nicht in dem Maße für uns gewinnen und die Kostenoffenlegung nicht so vorantreiben, wie wir das gehofft hatten“, so der Chef der Standard Life Deutschland.

Das könnte sich jetzt ändern. Heute kündigte die Allianz an, künftig mit der Gesamtkostenquote zu arbeiten. Und wenn der Branchenprimus sich aufs Parkett wagt, hat das Signalwirkung – andere Versicherungen könnten nachziehen. „Je mehr Anbieter die Neuerungen umsetzen, desto stärker ist der Vorteil für Kunden und Vermittler, unterschiedliche Produkte einfach miteinander zu vergleichen – das ist auch an Verbraucherschützer und Politik ein wichtiges Signal“, sagt Volker Priebe, Leiter der Abteilung Produktentwicklung bei Allianz Leben.