Assenagon-Chefökonom Martin Hüfner Das ist der Kontrapunkt zur Globalisierung

Martin Hüfner ist Chefvolkswirt beim Münchner Vermögensverwalter Assenagon.  | © Assenagon

Martin Hüfner ist Chefvolkswirt beim Münchner Vermögensverwalter Assenagon. Foto: Assenagon

Vor kurzem stieß ich auf einen interessanten Artikel des Frankfurter Politikwissenschaftlers Egbert Jahn. Er hat ein paar Zahlen und Thesen zur Geschichte der Globalisierung zusammengestellt, die ich so nicht kannte, die aber erhebliche Konsequenzen für die aktuelle europapolitische Diskussion haben (Egbert Jahn, "Die wundersame Vermehrung der Nationalstaaten im Zeitalter der Globalisierung", Frankfurter Montagsvorlesungen, Neue Folge 27, April 2014).

Üblicherweise geht man immer davon aus, dass Globalisierung und die Integration von Nationalstaaten im Zuge der Entwicklung der Weltwirtschaft der Normalfall sind. Jedenfalls war das bisher der Fall. Sie haben dazu beigetragen, dass ein Wohlstandsniveau erreicht wurde, das es in der Geschichte bisher nicht gegeben hat. Alles, was die Globalisierung stört, wie etwa derzeit die Aktionen des amerikanischen Präsidenten, sollte man daher tunlichst vermeiden.

Zahl der Staaten in Europa und der Welt

Jahn/Hüfner

Die Studie von Professor Jahn setzt hier Fragezeichen. Er zeigt nämlich, dass in den letzten 200 Jahren nicht nur die Globalisierung rasant gestiegen ist. Es gab auch eine überraschend starke Gegenbewegung. Die Zahl der Nationalstaaten hat mehr als erwartet zugenommen. Die Nationalstaaten sind aber der natürliche Gegenpol zur Globalisierung. Sie stehen für Grenzen nach außen und Entwicklung einer eigenen Identität im Innern.

Seit 1900 hat sich die Zahl der Staaten in der Welt von 50 auf 195 erhöht (siehe Grafik). Das ist fast eine Vervierfachung. Rein rechnerisch entstand alle neun Monate ein neuer Staat, schreibt Jahn. Das vollzog sich unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg zunächst in Asien. Von 1960 kam es dann zur Aufteilung der Kolonialreiche Großbritanniens, Frankreichs und Portugals in Afrika und in der Karibik.