Börsenzyklus Herbststimmung an den Märkten

Wolken über Weinlaub: Faktoren, die den Bullenmarkt antreiben, verlieren allmählich an Kraft | © Getty Images

Wolken über Weinlaub: Faktoren, die den Bullenmarkt antreiben, verlieren allmählich an Kraft Foto: Getty Images

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Der zweitlängste Bullenmarkt der Nachkriegsgeschichte will einfach nicht enden, doch die Anleger werden immer besorgter. Und das aus gutem Grund: Auch wenn sich die Aktienmärkte aus fundamentaler Sicht weiterhin in einem günstigen Umfeld bewegen, mit solidem Wachstum und geringer Inflation, mehren sich die Zeichen dafür, dass sich der jahrelange Aufwärtstrend in seiner Spätphase befindet. Nach Einschätzung der Investmentteams von Fidelity International verlieren die Faktoren, die den Bullenmarkt antreiben, nämlich an Kraft. So war der Kursaufschwung vor allem von steigenden Bewertungen geprägt. Die Börsen haben – mit Ausnahme des laufenden Jahres – in den entwickelten Ländern überwiegend besser abgeschnitten als in den Schwellenländern. Wissensbasierte Unternehmen waren dabei stärker gefragt als solche mit realer Güterproduktion. Diese marktbeherrschenden Trends beginnen nun auszulaufen.

Aktienmärkte im Fokus

In besonders beliebten Bereichen des US-Markts wie dem Technologiesektor war es zuletzt zu auffälligen Kursbewegungen gekommen, die stimmungsgetrieben zu sein scheinen. Ein Großteil der diesjährigen Kursgewinne an den US-Börsen war sogar auf eine Handvoll großer Einzelwerte zurückzuführen. Auch am chinesischen Aktienmarkt waren vor allem Internetaktien für den Kursaufschwung verantwortlich. Hier sind angesichts hoher Bewertungen inzwischen für Anleger nur noch geringe Sicherheitsmargen vorhanden. In Europa wiederum sind die Aktienkurse im Jahresverlauf auf breiter Front gestiegen, weil die Gewinnentwicklung die Bewertungen zuvor überholt hatte. Auch dieser Nachholeffekt ist inzwischen ausgereizt, sodass aus fundamentaler Sicht wenig für einen weiteren Anstieg der Aktienbewertungen spricht. Wahrscheinlicher ist, dass die Unternehmen in Europa nun die Erträge liefern, die in den Bewertungen an den Märkten bereits vorweggenommen wurden.

Abwärtsrisiken nicht aus dem Blick verlieren

Aus fundamentaler Sicht deutet sich somit an den Aktienmärkten weltweit ein baldiges Ende des derzeitigen Börsenzyklus an. Zugleich könnte die Situation aber auch für einige Zeit stabil bleiben, Anleger würden also bei einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Aktienmarkt auf ein beträchtliches Ertragspotenzial verzichten. Sie sollten vorerst noch investiert bleiben und sich gleichzeitig verstärkt Gedanken über eine zusätzliche Absicherung gegen Abwärtsrisiken machen.

Das robuste Gewinnwachstum hält Aktien attraktiv – gerade auch gegenüber Anleihen

Der Ratschlag, risikobereit zu bleiben, fußt auch auf der Einschätzung, dass Aktien trotz gestiegener Bewertungen weiterhin eine attraktive Anlageklasse bleiben. Erstens ist das Gewinnwachstum nach wie vor robust. So ist beispielsweise auf Grundlage der aktuellen Gewinnaussichten ein Gesamtertrag am Aktienmarkt von rund fünf bis sechs Prozent pro Jahr denkbar. Bleibt der Wachstumstrend stabil, könnten auch Technologieaktien durchaus weiterhin im Fokus bleiben, die zuletzt im Kurs stark gestiegen sind.