Crashtest-Siegerin Sonal Tanna über Chancen an Afrikas Aktienmärkten Frau Tanna, was mögen Sie an Nigeria und Kenia?

Sonal Tanna managt den JPM Equity Africa

Sonal Tanna managt den JPM Equity Africa

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DER FONDS: Afrika ist unter Aktieninvestoren immer noch ein umstrittener Markt. Was spricht für ein Investment?

Sonal Tanna: Wir sehen dort die gleichen fundamentalen Entwicklungen, die in den aktuellen Emerging Markets, inklusive der Bric-Länder, in den 80er und 90er Jahren stattfanden. Das Wachstum nimmt zu, und es wird immer stärker durch den privaten Sektor getrieben. Die Finanzmärkte öffnen sich. Afrika bietet langfristigen Investoren, die an der Entwicklung der Frontier Markets zu Emerging Markets teilhaben wollen, ein besseres Risiko-Rendite-Profil als die klassischen Schwellenländer und eine gute Möglichkeit, das Portfolio zu diversifizieren. Viele Investoren verbinden mit Afrika nur Rohstoffe. Eine Menge Aufwärtspotenzial ergibt sich jedoch auch durch noch unerschlossene neue Märkte, regionalen strukturellen Wandel und eine wachsende Binnennachfrage.

Crashtest: Die besten Fonds für Afrika-Aktien

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 JPM Africa Equity 217 90 87 40 300
2 Bellevue BB African Opportunities 201 78 83 40 98
3 Robeco Afrika Fonds 195 65 90 40 62
4 DB X-Trackers MSCI EFM Africa Top 50 167 51 71 45 22
5 Nordea African Equity Fund 165 56 89 20 62
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 22. Januar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 22. Januar 2015), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Aber Rohstoffe sind schon ein wichtiges Thema in Afrika, oder?

Sicher. Afrika ist zweifellos reich an Bodenschätzen. Allerdings ist nicht allein die schiere Menge entscheidend. Aus Investmentsicht zählt vielmehr die Vielfalt und die Verteilung über den gesamten Kontinent: Gold in Südafrika, Öl und Silber in Nigeria, Phosphate in Marokko, Blumen und Kaffee in Kenia, Diamanten in Botswana, und damit ist die Liste noch nicht zu Ende. Für uns sind Rohstoffe aber neben der Demografie und den Ausgaben für die Infrastruktur nur eine von drei Säulen. Die junge und wachsende Bevölkerung sollte das Konsumwachstum stützen. Zudem hängt Afrika bei der Infrastruktur sehr hinterher. Zentrales Problem ist die Energieversorgung. Die meisten Unternehmen, in die wir investieren, haben wie Dangote Cement oder Nestlé Nigeria eine eigene Energieversorgung.

Keine Chance ohne Risiko. Welches sind in Afrika die größten Herausforderungen für Investoren?

Makroökonomische Stabilität, die Politik, Strukturreformen und Liquidität. Die wirtschaftliche Stabilität hat sich bereits deutlich gebessert. Inflation, die Glaubwürdigkeit der Notenbanken sowie Währungsschwankungen, die durch Abhängigkeit von Rohstoffexporten und globaler Liquidität getrieben werden, stellen aber immer noch Risiken dar. Auch die Politik bleibt, gerade in Zeiten von Wahlen, ein kaum abschätzbares Risiko. Wir glauben, dass man es am besten über Investitionen in qualitativ hochwertige Unternehmen in den Griff bekommt, die auch in einem sich schnell verändernden Umfeld ihr Geschäft betreiben können. Die langfristige Herausforderung für Strukturreformen sind nicht nur die Maßnahmen an sich, sondern auch ihre Umsetzung, um ein ausgewogenes Wachstum zu erzielen. Und schließlich: Die Liquidität in den lokalen Märkten bleibt niedrig.

Was ist mit Ebola?

Auch das ist natürlich eine Herausforderung. Selbst in Märkten, die nicht vom Ausbruch der Krankheit betroffen sind, hat Ebola eine dämpfende Wirkung auf die Marktstimmung und die Verbrauchernachfrage.

Südafrika hat mit Abstand den größten Aktienmarkt auf dem Kontinent. Welche Rolle spielt das Land in Ihrem Fonds?

Absolut gesehen ist es mit rund 63 Prozent die größte Länderposition. Gegenüber unserer Benchmark ist es aber dennoch deutlich untergewichtet. Südafrikanische Aktien haben 2014 fast ihr Allzeithoch erreicht, trotz einer schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung und trotz der jüngsten Turbulenzen im Bankensektor. Kurzfristig sind wir angesichts des mangelnden Wachstums und möglicher weiterer Währungsabwertungen weniger zuversichtlich für den Markt. Südafrika würden zudem die Auswirkungen eines stärkeren Dollars auf Rohstoffpreise und Rohstoffwährungen treffen. Da sich die Binnenwirtschaft verlangsamt, bevorzugen wir südafrikanische Unternehmen aus dem Konsumsektor, die ihre Geschäftsmodelle durch die Expansion in Nachbarstaaten vorantreiben.

Nigeria und Kenia haben Sie übergewichtet. Was mögen Sie an diesen beiden Ländern?

Die langfristige Wachstumsstory. Kenias Entwicklung sollte auch künftig attraktive Anlagemöglichkeiten bieten – und das Land sollte vom starken Dollar und den niedrigen Rohstoffpreisen profitieren. Nigeria hingegen bringt der fallende Ölpreis unter Druck. Zudem sorgen politische Unsicherheiten und hohe Bewertungen für Gegenwind am Aktienmarkt. Ein weiter fallender Ölpreis sowie die Vorbereitung auf die Wahlen im Februar könnten für gute Kaufgelegenheiten bei Konsumtiteln und Banken hoher Qualität sorgen.