Deutscher Immobilienmarkt ausgebremst

Statt für bezahlbaren Wohnraum sorgt die Mietpreisbremse nur für einen Neubaustopp (Foto: ARTO / FOTOLIA)

Statt für bezahlbaren Wohnraum sorgt die Mietpreisbremse nur für einen Neubaustopp (Foto: ARTO / FOTOLIA)

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„Das ist allergrößter Blödsinn“, sagt Steffen Sebastian, Professor am Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung an der Universität Regensburg. „Die Miete zu deckeln und gleichzeitig mit Subventionen gegenzusteuern, verzerrt den Markt nur noch mehr.“ Gleichzeitig bremsen und Gas geben gehe schlichtweg nicht. Doch genau darauf hat sich die Arbeitsgruppe „Bau, Verkehr, Infrastruktur“ von Union und SPD geeinigt.

Mieterhöhungen sollen gedeckelt, der Neubau steuerlich gefördert werden. Genauer: Bei einem Mieterwechsel soll die neue Miete künftig nur noch maximal 10 Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen. Bei bestehenden Verträgen dürfen die Mieten höchstens um 15 Prozent in vier Jahren steigen. Bisher gilt das für drei Jahre.

Außerdem soll die degressive Abschreibung für Anlagen im Mietwohnungsneubau, die Absetzung für Abnutzung, kurz Afa, wieder eingeführt werden. Wohnraum soll bezahlbar bleiben, so der Plan. Denn die Nachfrage steigt rasant, vor allem in Großstädten und Ballungsgebieten wie etwa Berlin, München oder Hamburg.

Die Gründe: Zuzüge aus dem Ausland, der Trend zur Reurbanisierung, also die Rückkehr aus dem Speckgürtel in die Stadt, sowie die Singularisierung. Schon jetzt machen Single-Haushalte in den meisten Großstädten über 50 Prozent aller Haushalte aus.

„Wegen des geringen Mietwohnungsneubaus des vergangenen Jahrzehnts sehen wir derzeit erheblichen Nachholbedarf“, sagt Roman Heidrich, verantwortlich für den Bereich Wohnimmobilienbewertung bei Jones Lang Lasalle. Das treibt die Preise in die Höhe. Absoluter Spitzenreiter in Sachen Mietsteigerungen ist Konstanz. Die Nähe zur Schweizer Grenze macht die Stadt so beliebt.

Wer hier umzieht, muss im Schnitt 44 Prozent mehr als die ortsübliche Durchschnittsmiete auf den Tisch legen. In Regensburg sind es 36 Prozent, in Heidelberg 35 Prozent. Doch nicht alle deutschen Städte und jeder Stadtteil sind gefragt. Insgesamt gesehen gibt es in Deutschland keine Wohnungsknappheit.

„In den meisten Städten und Gemeinden wird die Bremse darum keine Folgen haben, weil der Markt so hohe Preissprünge gar nicht hergibt“, so Oliver Moll, Geschäftsführer der Hamburger Moll & Moll Zinshaus GmbH. „Letztlich wird nur über wenige sehr stark nachgefragte Stadtteile gesprochen und darüber der Rest vergessen.“

Das grundsätzliche Problem der steigenden Nachfrage in den Ballungsgebieten wird nicht gelöst. „Ein Eingriff in den Preismarkt schafft keine einzige Wohnung mehr“, so Thomas Beyerle, Chefanalyst der IVG Immobilien.