Die unbequeme Wahrheit der Eurokrise

Vermögensverwalter Alexander Seibold

Vermögensverwalter Alexander Seibold

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Mit dem Titel „eine unbequeme Wahrheit“ hat der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore versucht, auf die Folgen der Klimaerwärmung aufmerksam zu machen. Auch die Veränderung des Weltklimas mit mehr längeren Dürreperioden und gleichzeitig stärkeren Unwettern in anderen Regionen wurde lange ignoriert, teilweise bis heute.

Leider ist dies eine traurige Analogie dazu, wie der Abstieg der Gemeinschaftswährung Euro trotz vielfältiger Warnhinweise teilweise bis heute verleugnet wird.

Stellen wir die Fakten ganz nüchtern zusammen:

Ein wichtiger Grund für die Einführung der gemeinsamen Währung war, dass es in einem größeren gemeinsamen Kapitalmarkt leichter für einzelne Länder sei, sich zu refinanzieren.

Dieser vermeintliche Vorteil hat sich als Kartenhaus erwiesen, das nach gerade einmal zehn Jahren in sich zusammengefallen ist. Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und jetzt auch Italien bringt die Emission von Anleihen in Euro deutlich mehr Nachteile als Vorteile - wenn sie überhaupt Käufer finden.

Für italienische und spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren verlangen Investoren Zinsen von sieben Prozent und mehr. Nach allen Erkenntnissen ist das für ein Land, das über keine eigene Währung verfügt und daher keine Flexibilität bei den Währungskursen besitzt, nicht lange tragbar.

Ein zweiter Grund, der bei der Euro-Einführung immer genannt wurde, war das Bestreben, eine starke Europäische Zentralbank (EZB) als Gegenspieler zur Fed (Federal Reserve, US-Notenbank), zur Bank of England und anderen Notenbanken aufzubauen.

Auch hier steht ein dickes Minus. Die EZB wird aufgerieben zwischen den Fans der Notenpresse – Frankreichs Präsident Sarkozy allen voran – und den Stabilitäts-Anhängern der Bundesbank.

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