Family Offices, Fondsboutiquen und der Faktor Vertrauen

Markus Hill

Markus Hill

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Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen: www.markus-hill.com

„Sei höflich zu allen, aber freundschaftlich mit wenigen; und diese wenigen sollen sich bewähren, ehe du ihnen Vertrauen schenkst“  (George Washington). Investments sind Vertrauensangelegenheit, dass ist eine Binsenwahrheit in der Finanzbranche, scheinbar zumindest.

Der „Wust“ von Produktangeboten an private und institutionelle Investoren scheint dieser Wahrheit in der Praxis zu widersprechen. Langfristdenke widerspricht häufig dem Gerede von einzigartigen Investmentopportunitäten, oft noch im Nachgang der Ankündigung von Zeitfenstern, die der Anleger nutzen sollte.

Anlagedruck hin oder her – wie können mögliche Konstellationen aussehen, bei denen zwischen Anbietern und Nachfragern von Investments langfristig fruchtbare Beziehungen entstehen können? Was könnten Beispiele für vertrauensbildende Maßnahmen sein?

Family Offices – Langfristdenke und Unabhängigkeit


Viele Family Offices gelten als beliebte Zielobjekte für das potentielle „Abladen“ von Investmentprodukten und betreiben derzeit viel Aufwand, um die hohe Anzahl von potentiellen vertrieblichen Ansprachen zu kanalisieren beziehungsweise effizient zu neutralisieren. Information Overflow in Kombination mit begrenzten Due Diligence-Ressourcen machen dieses Verhalten verständlich und nachvollziehbar.

Interessant ist, dass es auch die umgekehrte Sichtweise geben kann: Family Offices sind ebenso Anbieter von Produkten und Dienstleistungen und suchen nach kreativen Lösungen zur Marktöffnung für die eigenen Anliegen. Dezent, solide, ohne marktschreierisch aufzutreten, da dies als wenig reputationsfördernd erscheint.

Die eigene Unabhängigkeit und der Vertrauensvorschuss bei der eigenen Klientel darf nicht gefährdet werden. Dieser Sachverhalt muss jedoch häufig elegant in Einklang gebracht werden mit den wirtschaftlichen Sachzwängen, denen auch verschiedene Multi-Family Offices nicht dauerhaft ausweichen können: Man benötigt einen Zufluss von neuen, vermögenden Kunden und zum Beispiel Käufer eigener Fondsprodukte.

Das Spannungsfeld Unabhängigkeit, individuelle Kundenbetreuung und Neutralität bietet hier viele interessante Diskussionsfelder.