IT-Experte Jürgen Weiss „Für Privatinvestoren sind Investitionen in Start-ups Risikokapital“

Jürgen Weiss: Der Experte von Digitized Rebels informierte beim diesjährigen Finanzplaner Forum in Wien über die Finanzierung von Start-ups und die daraus resultierenden Investitionsmöglichkeiten.  | © Fotostudio Huger Wien

Jürgen Weiss: Der Experte von Digitized Rebels informierte beim diesjährigen Finanzplaner Forum in Wien über die Finanzierung von Start-ups und die daraus resultierenden Investitionsmöglichkeiten. Foto: Fotostudio Huger Wien

ARTIKEL-INHALT 

DAS INVESTMENT: Was halten Sie von der TV-Show „Die Höhle der Löwen”, wo Start-ups publikumswirksam durchleuchtet werden?

Jürgen Weiss: Ich habe das eine Zeit lang verfolgt. In Österreich haben wir eine ähnliche Show namens „2 Minuten, 2 Millionen“. Das ist die Business-Angel-Methode. Dort geht es um den letzten Schritt, ob ein Start-up wirklich funktioniert oder nicht. Diejenigen Start-ups, die Finanzierungen bekommen, innovativ und disruptiv sind, brauchen eine solche Show gar nicht, es sei denn, sie wollen die Aufmerksamkeit für Marketingzwecke nutzen. Bei Unternehmen, die im Frühstadium sind, sind aber die Bewertungen das große Problem. Wir haben heutzutage sehr viele zeitaufwendige Vorgaben für die Gründung eines Unternehmens. Als Force United (i.Gr.) bieten wir den Start-Ups von Anfang an die Möglichkeit, viel schneller und effizienter zu arbeiten.

Worin unterscheidet sich Ihr Ansatz als Company Builder von den klassischen Methoden einer Finanzierung, etwa von Inkubatoren und Acceleratoren?

In Österreich geschieht in der Start-up-Szene sehr viel universitätsnah. Inkubatoren orientieren sich sehr an Universitäten, die Gründer werden dort auf Investmentkunden vorbereitet. Zuvor wird sehr stark am Geschäftsmodell gearbeitet. Acceleratoren und Inkubatoren begleiten Start-ups allerdings nur über einen begrenzten Zeitraum. Wir als Company Builder machen das anders – wir begleiten von der Idee bis zum Produktrelaunch oder bis zu einem neuen Produkt das Unternehmen laufend. Wir sind Teil des Gründerteams und wenn es dann läuft, gehen wir einen Schritt zurück und wechseln in die Rolle des Advisors. Aufgrund unseres beruflichen Werdegangs verfügen wir über ein sehr großes Netzwerk und können stets auf erfahrene Manager zurückgreifen.

Wie finden Sie geeignete Start-ups und wie wählen Sie vielversprechende Projekte aus?

Lustigerweise haben wir zwei Start-ups, die bei „2 Minuten. 2 Millionen“ keine Finanzierung erhalten haben, aber uns überzeugt haben, angeschrieben und ihnen unser Modell vorgestellt. Dort sind wir nicht mit Cash, sondern mit Work4Equity investiert. Das heißt, wir stellen unser Netzwerk zur Verfügung, unterstützen am entwickeln des Geschäftsmodells, stellen die Kontakte und machen Vorstellungen. Wenn aus unserer Vorleistung etwas Konkretes herauskommt, dann werden unsere Leistungen von den Investoren finanziert, entweder als Unternehmensanteil oder in Cash abgegolten.

Wie wichtig ist Kontrolle für die Investoren?

Man muss unterscheiden, ob ein Unternehmen oder ein privater Investor in ein Start-up investiert. Die Corporates schauen sehr genau darauf, welches Nischenproblem das Start-up löst. Bei den Privatinvestoren ist das eher wie im Casino, es ist wie Spielgeld. Sie stellen ihr Kapital einer Idee und einem Team, das sie überzeugt, zur Verfügung. Private Investoren sind prinzipiell idealistischer und kreativer eingestellt, es sind langfristige Investitionen, man glaubt an das Unternehmen und sieht sich als Partner. Das ist echtes Risikokapital.