FvS-Chefstratege Philipp Vorndran sieht keine Zinswende "Fed-Leitzinserhöhung wird keine Folgen für Kapitalmärkte haben"

Philipp Vorndran, Chefstratege bei Flossbach von Storch. Foto: Hipp/Scholtysik

Philipp Vorndran, Chefstratege bei Flossbach von Storch. Foto: Hipp/Scholtysik

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DAS INVESTMENT.com: Die meisten Marktteilnehmer haben bereits mit der Zinswende durch die US-Notenbank Fed gerechnet. Lediglich die Höhe der Leitzinserhöhung blieb bis zuletzt geheim. Nun wurden die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Ist das für Sie eine Überraschung? 

Philipp Vorndran: Nein, die Entscheidung überrascht uns nicht. Wobei sie angesichts der eher mäßigen Konjunkturaussichten in den USA, der Lage am Arbeitsmarkt sowie den niedrigen Inflationsraten nicht nötig gewesen wäre. Der Fed ging es vor allem darum, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. So lange, wie über den Zinsschritt schon fabuliert, so oft, wie er dann verschoben wurde, blieb der Fed gar nichts anderes übrig, als irgendwann zu handeln. Andernfalls wäre ihre Glaubwürdigkeit dahin gewesen.

Im September lehnte die Fed noch eine Zinserhöhung ab. Was hat sich in den vergangenen drei Monaten geändert?

Vorndran: Nichts, außer vielleicht der Erkenntnis, dass der Markt nicht mag, wenn man ihn enttäuscht.

Haben die Märkte eine Leitzinserhöhung bereits eingepreist?

Vorndran: Schaut man sich die Zinssätze an, sollte man das meinen, ja - und zwar nicht nur diesen einen, ersten Zinsschritt. Wobei ich kein Freund dieses „Alles-ist-schon-eingepreist-Argumentes“ bin. Niemand kann vorhersagen, wie die Märkte tatsächlich reagieren werden. 

Welche Auswirkungen wird die Leitzinserhöhung auf unterschiedliche Anlageklassen haben?

Vorndran: Mittel- und langfristig gar keine. Die Fed wird ihren Leitzins nur sehr moderat anheben; eine Zinswende, von der in den vergangenen Monaten so oft gesprochen wurde, wird sie angesichts der Situation in anderen Währungsräumen nicht einleiten können, ganz im Gegenteil. Mich würde nicht wundern, wenn wir schon bald darüber diskutieren, dass der Zinsschritt zu früh kam und die Fed schlussendlich zurückrudern muss.