GAM-Experte für deutsche Aktien „Wir rechnen mit einem Dax-Wachstum von 5 bis 10 Prozent pro Jahr“

GAM-Portfoliomanager Oliver Maslowski

GAM-Portfoliomanager Oliver Maslowski

DAS INVESTMENT.com: „Deutsche Aktien - Die Zukunft des Sparens“, so heißt Ihr im vergangenen Jahr erschienenes Buch. Worin sind denn deutsche Aktien den Papieren anderer europäischer Länder überlegen?

Oliver Maslowski: Deutsche Unternehmen sind in vielen Bereichen Marktführer, weisen aber trotzdem niedrigere Bewertungen auf als ihre europäischen Konkurrenten. Schuld daran ist der Nimbus des deutschen Aktienmarktes eine hohe Zyklizität zu besitzen. Zyklische Werte profitieren von steigenden Inflationserwartungen. In Deutschland zum Beispiel stiegen sie von 1,1 Prozent im Juli auf nunmehr 1,9 Prozent. In einem solchen Umfeld bringen Value-Aktien deutlich bessere Erträge als Growth-Papiere. Das zeigt sich auch an der Wertentwicklung im vergangenen Jahr: Während Europa-Aktien das Jahr mit einem Plus von gerade einmal 2 Prozent beendeten, legten deutsche Aktien um 6,9 Prozent zu. Das entspricht einer Outperformance von 500 Basispunkten. Deutsche Aktien profitieren somit von der Zinswende.

Warum?

Maslowski: Wenn die Zinsen steigen, entwickeln sich zyklische Aktien besser als defensive Titel. Und der Dax setzt sich zu 66 Prozent aus zyklischen Aktien zusammen. Vor allem deutsche Automobil-Werte - ein Beispiel für klassische zyklische Value-Aktien - sowie Papiere von Chemie- und  Industrie-Unternehmen dürften sich weiterhin überdurchschnittlich gut entwickeln.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass es in Deutschland zahlreiche sogenannte Hidden Champions, also von Investoren unterschätzte Aktien kleiner und mittelständischer Unternehmen gibt. Welche davon könnten derzeit für Anleger interessant sein?

Maslowski: Viele Hidden Champions finden sich im Online-Handel, wie zum Beispiel Zooplus, Shop Apotheke, Takkt oder Ferratum. Im Umfeld steigender Zinsen werden es diese Wachstumsunternehmen schwer haben, da der Fokus der Investoren auf Substanzwerte gerichtet ist. Im deflationären Umfeld hingegen zählen sie zu  klaren Kaufkandidaten. Allerdings setzen wir derzeit eher auf grosskapitalisierte Standardwerte.