Georg Graf von Wallwitz zu US-Wahlen Wie viel Schaden kann Trump anrichten?

Dr. Georg Graf von Wallwitz, Fondsmanager der Phaidros Funds und Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH

Dr. Georg Graf von Wallwitz, Fondsmanager der Phaidros Funds und Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH

ARTIKEL-INHALT 

Es gibt im Wesentlichen zwei Interpretationen für den Wahlausgang in den USA. Die eine stammt von Alexis de Tocqueville aus dem Jahr 1835, als er in seinem Buch „Über die Demokratie in Amerika“ über den Wahlvorgang dort schreibt:

„Die Wahl wird das größte und irgendwann das einzige Thema, womit sich die Leute beschäftigen. Die politischen Fraktionen werden enthusiastisch; jede denkbare merkwürdige Leidenschaft, die in einem friedlichen und zufriedenen Land möglich ist, kommt ans Tageslicht … Je näher die Wahl rückt, desto mehr Intrigen und Unruhen gibt es. Die Bürger teilen sich in Lager unter den Namen ihres Kandidaten. Die ganze Nation gerät in einen Fieberzustand; die Wahl dominiert die Zeitungen und die Gespräche, sie wird das Thema jeder Handlung und jedes Gedankens, sie wird das einzige Thema. Aber sobald das Ergebnis verkündet wird, verschwindet die Leidenschaft, alles wird wieder ruhig und der Fluss, der für eine Weile über die Ufer trat, kehrt friedlich in sein Bett zurück.“

Von erratischen Tweets und emotionalen Ausbrüchen

Nach dieser Interpretation wird alles halb so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Es weiß nach einem Jahr der erratischen Tweets und emotionalen Ausbrüche doch niemand, wofür Trump eigentlich steht. Der Kongress wird sich von Trump nicht die Gesetze vorschreiben lassen. Außenpolitisch kann Trump viel Schaden anrichten, aber wie soll so etwas aussehen?

Will er wirklich Schutzzölle gegen chinesische Importe verhängen und damit vom iPhone bis zum Rasenmäher alles teurer machen für die Amerikaner? Und wenn er eine Mauer an die mexikanische Grenze baut, was ist das mehr als ein Symbol? Die ganze Washingtoner Bürokratie, welche die Vorgaben der Regierung umsetzen muss, ist sehr träge und wird jede Revolution von oben zermürben. Die Amerikaner sind Pragmatiker und werden auch unter Trump einigermaßen vernünftig sein.

Export-Aktien fallen, Pharma- und Ölaktien steigen

Trump wird gegenüber dem Ausland verbal abrüsten und im Inland die Steuern senken und in Infrastruktur investieren. Wo ist das Problem? So reagieren die Märkte heute: Ja, es wird etwas mehr Protektionismus geben, aber nicht so viel, dass es weh tut. Die Aktien der großen Exporteure fallen, dafür steigen Pharma- und Ölaktien, und natürlich auch russische (und Schweizer) Aktien.

Auch TTIP-Gegner und alle Freunde kleinstaatlichen Denkens haben heute einen guten Tag. Mehr aber auch nicht. Der Dollar fällt nicht ins Bodenlose, wie das Pfund nach dem Brexit, weil die Auswirkungen lange nicht so stark sein werden. Es wird Gewinner und Verlierer geben und dann ist alles Business as usual.

Diese Interpretation hat die kurze und mittlere Frist im Auge – und für etwas Anderes interessieren sich die Märkte ja auch nicht. Und vermutlich ist sie nicht falsch. Es ist nun nicht der Zeitpunkt, irgendwelche Dinge übers Knie zu brechen. Cool bleiben ist meistens das Richtige an den Finanzmärkten.