Digitale BU-Police von Getsurance „Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bei psychischen Vorerkrankungen?“

Risikogruppe Dachdecker: Da sie statistisch gesehen häufiger erkranken und früher in Rente gehen als Berufstätige in anderen Handwerksberufen, werden Dachdecker in der Regel in die teuerste Versicherungsklasse für Berufsunfähigkeit eingestuft. | © Getty Images

Risikogruppe Dachdecker: Da sie statistisch gesehen häufiger erkranken und früher in Rente gehen als Berufstätige in anderen Handwerksberufen, werden Dachdecker in der Regel in die teuerste Versicherungsklasse für Berufsunfähigkeit eingestuft. Foto: Getty Images

Philip Wenzel ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen (IHK) und betreut bei Freche Versicherungsmakler aus dem bayerischen Kemnath die biometrischen Risiken.

Der analoge Vermittler und die neue digitale Konkurrenz, die sich selbst als Fin- oder Insurtech bezeichnet, stehen sich derzeit noch sehr misstrauisch gegenüber. Für die Neuen sind die Alten unmoralisch und von Provisionsgier getrieben, während die Alten den Neuen vorwerfen, den Markt nicht zu kennen und geltende Gesetze nicht einzuhalten.

Ich selbst beobachte das Gebaren der Insurtechs mit einiger Verwunderung. Vieles der Feindseligkeit wurde vonseiten der Neuen in den Markt getragen, die sich selbst als disruptiv beschreiben. Es wäre mehr gewonnen, wenn von Beginn an die Kooperation mit den bestehenden Maklern gesucht worden wäre.

Hundertmal die Fakten prüfen

Was ich allerdings schon bewundere, ist dieses gelebte Lass-erst-mal-machen-und-dann-schauen-wir-mal. Unsereins prüft hundertmal die Fakten, bevor man sich traut, was auf die Internetseite zu stellen. Getsurance dagegen brachte eine neue Berufsunfähigkeitsversicherung in drei Varianten heraus und stellte diese online, obwohl die Basis-Variante erst später erschien.

Daran störe ich mich wahrscheinlich mehr als irgendein Kunde da draußen. Aber was ich hier auch gut finde: Die neue Absicherungsmöglichkeit ist auch für Makler verfügbar. Vielleicht ist das ein verspäteter Versuch eines Insurtechs, mehr Zusammenarbeit zu wagen.

Online-Abschluss kritisch betrachtet 

Was kritisch betrachtet werden muss, ist der Online-Abschluss. Ich selbst bin der Meinung, die Arbeitskraft-Absicherung darf nicht einfacher werden, sondern die Beratung dazu muss besser werden.

 Selbst wenn wir hier das Thema der vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung nicht betrachten – obwohl es sich selbstverständlich aufdrängt, wenn der Kunde bei den Fragen allein gelassen wird und nicht weiß, welche Folgen es hat, wenn er bei einer Ablehnung einfach beim nächsten Mal die Vorerkrankung weglässt –, ist die einfache Abwicklung nicht nur Vorteil, sondern auch gleichzeitig die größte Gefahr.