Glows Gedanken: Kein Königsweg bei der Indexkonstruktion

Detlef Glow schreibt über ETFs

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Investoren und Analysten fragen aus aktuellem Anlass immer wieder, ob Börsenindizes nach der Marktkapitalisierung ihrer Einzeltitel konstruiert sein sollten. Gerade vor dem Hintergrund möglicher Staatspleiten erscheint es ihnen ungeeignet, Staaten mit hohen Schulden mit hohen Gewichtungen in Anleihenindizes zu belohnen. Denn hohe Indexgewichtungen führen zu einer höheren Nachfrage bei den Anlegern.

Diese Diskussion ist nicht neu. Bevor Argentinien 2002 zahlungsunfähig wurde, war der Staat der größte Schuldner unter den Schwellenländern. Daher machten argentinische Papiere in vielen Indizes rund 40 Prozent aus - nach dem Ausfall waren es weniger als zehn.

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Doch obwohl sich viele Anleger damals die Finger verbrannt haben, reagierte kaum jemand. Pimco war einer der wenigen Vermögensverwalter, die ihre hausinternen Vergleichsindizes danach nicht mehr nur anhand der ausstehenden Schuldenvolumina, sondern zum Beispiel auch anhand der Bruttoinlandsprodukte gewichteten.

Warum werden die meisten Indizes bis heute trotz schlechter Erfahrungen auf Grund der Marktgewichte ihrer Einzelwerte berechnet? Dabei hilft ein Blick in die Finanzmarkttheorie, genauer gesagt in das Capital-Asset-Pricing-Model (CAPM). Es ist unter den Vermögensverwaltern mit Abstand am weitesten verbreitet. Es unterstellt, dass der Markt die optimalen Preise für seine Güter kennt, also effizient ist.

Ob das in der Praxis tatsächlich so ist, ist umstritten. Zudem sollte jedem Investor klar sein, dass ein Index, der im Verhältnis zum Gesamtmarkt eine kleine Anzahl von Titeln enthält, nur eine Annäherung an das Marktportfolio sein kann.