Großinvestoren „ETFs liefern einen einfachen, liquiden Zugang zu Anleihen“

Hamed Mustafa leitet den Vertrieb von Blackrocks iShares-ETFs an institutionelle Investoren.

Hamed Mustafa leitet den Vertrieb von Blackrocks iShares-ETFs an institutionelle Investoren.

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DAS INVESTMENT: Herr Mustafa, unser erster Interviewtermin fiel dem Ausgang des EU-Referendums zum Opfer. Hat sich die erste Aufregung nach dem Brexit-Votum mittlerweile gelegt?

Hamed Mustafa: Die meisten Investoren waren überrascht von dem Ergebnis, haben jetzt aber einen klareren Blick, auch wenn letztlich natürlich noch vieles offen ist.

Wie haben Sie Ihre Kunden unterstützt?

Mustafa: Die Kunden wollten am Freitag, als das Ergebnis des Votums vorlag, vor allem Informationen dazu, was ein Brexit überhaupt für die Kapitalmärkte bedeutet. Wir hatten an dem Tag mehrere Brexit-Calls, in denen unsere Kapitalmarktstrategen ihre Einschätzung der Lage gegeben haben. In solchen Situationen kommen die Vorteile eines ETFs sehr gut zum Tragen. Man kann mit ihnen sehr schnell auf bestimmte Vorkommnisse wie zum Beispiel Marktabschwünge reagieren. Viele Investoren haben ETFs genutzt, um ihr Portfolio an die Marktlage anzupassen.

Kam es zu hohen Zu- und Abflüssen?


Mustafa: In der Woche nach dem EU-Referendum hatten wir europaweit Zuflüsse von knapp 3 Milliarden US-Dollar, das ist ein enormer Betrag.

Was wurde gekauft?

Mustafa:
Viele Investoren nutzen die Kursrückgänge zum Einstieg. Zum Beispiel bei europäischen Aktien, aber auch Smart-Beta-Produkte waren begehrt, vor allem Minimum-Volatility-Strategien. Gold war ebenfalls gefragt. Man kann von keinem klaren Risk-on- oder Risk-off-Szenario sprechen. Dazu waren die Käufe zu breit über die Anlagesegmente verteilt. Es gab keinen eindeutigen Trend.

Und wenn Sie aufs erste Halbjahr blicken. Können Sie dort Produkttrends ausmachen?

Mustafa: Das erste Halbjahr war eine große Herausforderung. Ein klarer Trend lässt sich auch hier nicht erkennen. Er herrschte vor allem Unsicherheit, wo die Reise hingeht. Zurzeit dominieren drei Themen unsere Kundengespräche. Eins davon sind Fixed-Income-ETFs. Deutsche institutionelle Investoren sind sehr anleiheaffin und haben gern in Einzelanleihen investiert. Der Markt hat sich allerdings verändert. Immer weniger Banken sind im Primärmarkt aktiv. Die gesunkene Liquidität und der erschwerte Zugang werfen Probleme beim Direktkauf auf. Mit unserer Renten-ETF-Palette bieten wir, was Investoren aktuell wirklich brauchen: einen liquiden Zugang zu dem Markt. Mit nur einer ISIN können Investoren in eine breitgefächerte Anlage im Anleihemarkt investieren.

Aber haben Sie als ETF-Anbieter nicht auch mit den Liquiditätsproblemen zu kämpfen?

Mustafa: Der Zugang ist für alle Marktteilnehmer erschwert worden. Unser Vorteil ist unsere Größe. Daher schaffen wir es, an die Bonds zu kommen, die wir für die ETFs brauchen. Zudem müssen wir ohnehin nur auf den Anleihe-Markt zugreifen, wenn das Volumen des ETFs wächst und wir neue Anteile kreiieren müssen. Je größer der ETF, desto wahrscheinlicher ist es, dass Anteile in Sekundärhandel zur Verfügung stehen.