Gut geplant Fondsprojekte und der Faktor Zeit

Markus Hill

Markus Hill

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Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen: www.markus-hill.com

„In der Ruhe liegt die Kraft“ versus die Strategie „Wir schieben es auf die lange Bank“ – in diesem Spannungsfeld bewegen sich oft Fondsprojekte. Viele Fondsinitiatoren unterschätzen häufig den Faktor Zeit bei den Projektstufen Konzeption, Strukturierung, Seed Money-Suche und Vertrieb. Was sind typische Phasen des Fondsprojekts? Worin liegen die oft nicht erkannten Kosten von eingefahrenen Verhaltensweisen?

Fondsprojekte und der Faktor Zeit

Der Faktor Zeit bei Fondsprojekten erscheint oft weniger im Fokus als die Konzentration auf technische beziehungsweise administrative Fragen.  Vergessen wird häufig, dass Extra-Ressourcen in allen Phasen des potentiellen Projektes (Auflage von Fonds und andere Produkthüllen) erforderlich sind.

Viele Projekte ziehen sich häufig „wie ein Kaugummi“ über eine lange Zeit hinweg. Die Begründung findet man zum einen in mangelnder Ressourcenzuweisung – Personal, Know-how, Budget, Zeit et cetera. Zum anderen nimmt vielleicht das Tagesgeschäft den Fondsinitiator so in Beschlag, dass das eigene Projekt nur im Stop-and-go-Modus vorankommt.

Eine Ausnahme stellen die Projekte dar, wo zu Beginn nicht klar ist, ob zum Beispiel ein Fonds oder eine Lösung im Bereich Direktinvestments (Beispiele Real Assets, Infrastruktur et cetera) liegen kann. Die Suchphase nach einer optimalen Lösung gestaltet sich hier in einer anderen Form oft einfach zeitintensiver: Mehr Experten, Provider und Investoren müssen angesprochen werden, bis sich die Lösung abzeichnet:

1.    Was gibt es bereits auf dem Markt?
2.    Worin besteht die Stärke des eigenen Konzepts – durch Investoren- und Experten-Augen betrachtet?
3.    Welche Lücke im Produkt- beziehungsweise Projektuniversum kann man füllen?
4.    Gibt es regulatorische Fallstricke beim „Verpackungsthema“?
5.    Bei welchem Investor renne ich offene Türen mit meiner Expertise ein?
6.    Wie sieht ein realistischer Zeitrahmen für das Fondsprojekt aus?

Phasen bei Fondsprojekten und Zeiteinsatz

Grob kann man bei einem Fondsprojekt vielleicht folgende Phasen unterscheiden, die oft ineinander übergehen:

1.    Idee / Konzept
2.    Strukturierung
3.    Seed Money-Suche
4.    Vertrieb / Fondsmanagement

Vorab kann man sagen, dass Experten aus dem Portfolio Management beziehungsweise sehr „stabsnah-denkende“  Mitarbeiter (Produktmanagement, Marketing et cetera) bei Fondsinitiatoren in vielen Fällen naturgemäß stark mit den Phasen 1 und 2 beschäftigen.

Der strategische Engpassfaktor Kapitalzusage für das Projekt „Ja“, „Nein“, „Vielleicht“ oder auch „Vielleicht später“ als Investorenfeedback kann hier unter Umständen zu wenig Beachtung finden.

Zeitmanagement – Idee, Strukturierung und Seed Money

Auffällig ist, dass viele Fondsprojekte intern lange Zeit konzeptionell „gekocht“ werden. Was bedeutet das im Extrem? Es wurde viel Zeit in die Entwicklung des „perfekten“ Konzepts gelegt.

Viel Energie – Vorgespräche, Marktbeobachtung, Providerselektion „Administration“ – wird fokussiert in eine von mehreren Projektstufen gelegt. Eine systematische Ansprache von potentiellen Zielinvestoren erfolgt zwar in bestimmten Fällen, aber Anzahl und Qualität der Prospect-Auswahl bieten oft Optimierungspotentiale.

Schnell hat man ein Jahr verloren und hat außer drei weichen, unverbindlichen Seed-Money-Zusagen nichts weiter in der Hand. Die Erfahrung zeigt: „Wenn es hart auf hart kommt – nichts schmilzt so schnell dahin wie eine Seed Money-Zusage“ (Expertenzitat).

Das Problem ist im Markt bekannt, trotzdem befinden sich viele Fondsinitiatoren, die sich in der Regel nicht in der Rolle von „Kommunikation“ und „Vertrieb“ sehen, häufig in der Schwebelage: Viel Trockenübung, viel Zeiteinsatz und am Schluss ein langer, mühsamer Weg auf der Suche nach Investoren.

Natürlich gibt es auch andere Wege der Vorgehensweise, die sich langsam im Markt durchsetzen könnten:  Straffung des Ideen- und Strukturierungsprozesses in Kombination mit einem zeitnahen einholen von Investorenfeedbacks – vergessen wird hier häufig: Diejenigen Investoren, die frühzeitig in den Produktmanagementprozess mit einbezogen werden sind unter Umständen auch potentielle Zielinvestoren bei überzeugenden Konzepten.