Heimliche Liebe Frontier Markets noch weitgehend unbekannt - zum Glück

Guido vom Schemm, Geschäftsführer der bei GVS Financial Solutions in Dreieich

Guido vom Schemm, Geschäftsführer der bei GVS Financial Solutions in Dreieich

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Frontier Markets (FM) sind Schwellenländer aus der zweiten Reihe. Von den jüngsten Verlusten der größten Schwellenländer, auch BRIC-Staaten genannt, blieben sie verschont. Die Erklärung lässt sich an einem grundlegenden Unterschied festmachen.

Zuletzt standen Schwellenländer nicht in der Gunst der Anleger. Sie zogen sehr große Summen aus diesen Ländern ab. Gründe hierfür waren das Tapering der Fed, wieder steigende Zinsen sowie eine bessere Wirtschaftslage der Olivenstaaten in Europa.

Folglich verzeichneten viele Indices aus diesen Ländern deutliche Verluste. Die FMs blieben weitestgehend verschont, teilweise konnten einige Länder sogar Kapitalzuflüsse verbuchen. In 2014 legten die FM erneut einen erfreulichen Start hin. Der RBS-ETF auf den MSCI Frontier Markets Index konnte beispielweise seit Jahresstart ein Plus von über 12 Prozent in US-Dollar erzielen.

Müssten die Krim-Krise sowie ein schwächeres Wachstum in China nicht Bremsspuren hinterlassen? Sind die zugegebenermaßen kleinen Märkte nicht schwankungsanfälliger?

Frontier Markets sind Schwellenländer auf den hinteren Plätzen, die für große Investoren weniger interessant sind – sei es, weil sie wirtschaftlich weniger entwickelt sind, wie Kenia, sei es, weil trotz relativem Wohlstand der heimische Aktienmarkt, wie Estland, zu illiquide ist oder weil Restriktionen für ausländische Investoren, wie in den Golfstaaten, existieren.

Diese Vernachlässigung hat dazu geführt, dass diese Märkte nur sehr wenig Geld angezogen haben. Daher fließt aus diesen Märkten kaum „heißes Spekulationsgeld“ zurück. Dieses Desinteresse ist ein Faktor für die gute Kursentwicklung, welche historisch jedoch nicht immer gegeben war. Die Wirtschaftspolitik in diesen Ländern ist längst nicht mehr so inkompetent und investorenfeindlich wie früher.

Ein weiterer Grund für FM-Investoren ist die geographische und wirtschaftliche Diversifikation eines gut sortierten Frontier-Markets-Fonds. Somit kann ein solches Investment als Stabilisator in einem übergeordneten Portfolio dienen.

Die vier bedeutendsten Märkte stellen rund 70 Prozent der Kapitalisierung des MSCI FM-Indexes und diese sind maßgeblich von der Entwicklung des Ölpreises abhängig. Zudem haben viele dieser Länder ihre Heimatwährung an den US-Dollar gekoppelt, dies gilt es bei einer Investition zu berücksichtigen.