Helikoptergeld „Zuverlässige Munition wird langsam knapp“

Ladenbesitzer während der Hyperinflation 1923 in Deutschland. Helikoptergeldprogramme wurden in der Weimarer Republik in den 1920er-Jahren probeweise umgesetzt. | © Getty Images

Ladenbesitzer während der Hyperinflation 1923 in Deutschland. Helikoptergeldprogramme wurden in der Weimarer Republik in den 1920er-Jahren probeweise umgesetzt. Foto: Getty Images

Die Idee, harte Währung direkt an die Bevölkerung zu verteilen, um eine schwere Rezessionen zu beenden, wird aus theoretischer Sicht schon seit den frühen 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts diskutiert. Der einflussreiche britische Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes schlug damals vor, Bargeld buchstäblich in stillgelegten Kohlebergwerken zu vergraben, so dass es dort dann von Arbeitslosen „ausgegraben“ werden könnte.

Der amerikanische Ökonom Milton Friedman sprach bildlich davon, Geld aus Hubschraubern abzuwerfen, damit es von den Bürgern aufgehoben werden kann. Dies ist auch der Ursprung des umgangssprachlichen Begriffs „Helikoptergeld“. Selbst der ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank (Federal Reserve, Fed) Ben Bernanke kam 2002 auf die Idee zu sprechen, was ihm den Beinamen „Helicopter Ben“ bescherte. Allerdings schlug er damals einen etwas praktischeren Ansatz in Form einer Steuererstattung vor.

Zu Beginn des vergangenen Sommers kamen Gerüchte auf, die Bank of Japan (BoJ) erwäge ein derartiges Helikopterprogramm. Letztlich entschied sie sich zwar dafür, weniger umfangreiche, traditionelle Lockerungsmaßnahmen zu ergreifen, erklärte jedoch ihre Absicht, ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten „umfassend prüfen“ zu wollen – möglicherweise ein Vorzeichen aggressiverer Taktiken. Unabhängig davon, welchen Weg die japanische Zentralbank diesen Herbst einschlägt – sollte sich die deflationäre Flaute der Weltwirtschaft fortsetzen, gehe ich davon aus, dass die Diskussionen um diese metaphorischen Hubschrauber einmal mehr abheben werden.

Helikoptergeldprogramme im Grunde vorhanden

Einige Beobachter werden anmerken, dass wir heute im Grund genommen bereits Helikoptergeldprogramme haben: seit 2008 haben die Fed, die BoJ und die Europäische Zentralbank im Rahmen von Programmen, bei denen das Geld in der Tat vom Himmel zu flattern scheint, vier Billionen US-Dollar an neuem Geld gedruckt. Es lässt sich argumentieren, dass eine zusätzliche Lockerung seitens der Zentralbanken in der Form sogenannter Helikopterprogramme denselben Effekt haben würde. Solche Programme würden nur dazu dienen, die Preise von Risikoanlagen in die Höhe zu treiben und Anleger weiter die Risikokurve hinauf zu schieben, ohne dabei wirklich einen entscheidenden Beitrag zu nachhaltiger Inflation oder Wachstum zu leisten.

Meiner Meinung nach gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied. Ich stimme zu, dass wir hinsichtlich der Wirksamkeit in Bezug auf die Ankurbelung eines nachhaltigen Wirtschaftswachstums durch solche Maßnahmen kaum mehr erreichen würden. Ein Helikopterprogramm würde sich jedoch deutlich von dem unterscheiden, was uns die Zentralbanken bislang geboten haben. Im einen Fall wird angenommen, dass das Geld ein Darlehen ist. Es handelt es sich um eine Verbindlichkeit, die früher oder später beglichen werden muss. Im anderen wird das Geld ausdrücklich als „kostenlos“ definiert. In anderen Worten: es gibt keinen Haken an der Sache.