Hüfners Wochenkommentar „EZB wünscht derzeit keine Erhöhung der Zinsen“

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Martin Hüfner, Chefökonom von Assenagon Asset Management

Im April hat die Europäische Zentralbank für 20 Milliarden Euro weniger Wertpapiere an den Finanzmärkten erworben als bisher. Der Gesamtbetrag ihrer Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen reduzierte sich von 80 auf 60 Milliarden Euro. Das ist – auch wenn die Märkte natürlich sehr groß sind – ein ganz erheblicher Betrag, der auf der Käuferseite von Wertpapieren fehlte.

Haben Sie an den Kapitalmärkten etwas von dieser Reduzierung gemerkt? An der Entwicklung der Zinsen war jedenfalls nichts zu sehen. Die Rendite 10-jähriger öffentlicher Anleihen in Deutschland ist Anfang April noch einmal kräftig gesunken. Sie ist dann zwar wieder gestiegen aber sie liegt inzwischen gerade mal sieben Basispunkte über dem Ausgangsniveau. Die Bewegungen waren ähnlich wie in den Vormonaten, also Business as Usual.

Wenn sich die Verringerung der Wertpapierkäufe an den Märkten nicht größer ausgewirkt hat, wirft das Fragen auf. Kann die EZB mit ihren Käufen überhaupt die Zinsen beeinflussen? Ich glaube solche Bedenken sind nicht gerechtfertigt.

Helfen die Wertpapierkäufe der EZB?

Umlaufsrendite 10-jährige Bundesanleihen und Bilanzsumme der EZB
Grafik: Assenagon Asset Management

Schauen Sie sich die Grafik an. Sie zeigt die Zinsentwicklung seit der Finanzkrise im Vergleich mit den Wertpapierkäufen der EZB (gemessen an der Bilanzsumme der EZB). Der Befund ist eindeutig. Zwischen beiden Größen besteht ein enger Zusammenhang. Immer dann, wenn die EZB an den Märkten aktiv war und ihre Bilanzsumme ausweitete, gingen die Zinsen zurück. Das war bei allen Wertpapier­kaufprogrammen der Fall, die die EZB seit der Finanzkrise aufgelegt hat.

Zinsrückgang kam zum Stillstand

Wenn umgekehrt die Wertpapierkäufe verringert wurden, wie zwischen 2012 und 2014, kam der Zinsrückgang zum Stillstand beziehungsweise die Zinsen haben sich erhöht. Das war nicht immer auf den Tag genau so und es gab auch Schwankungen. Aber der Trend ist eindeutig. Die Korrelation zwischen den beiden Größen ist hoch (0,79).

Das ist nicht nur in Europa zu beobachten. Es zeigt sich in gleicher Weise in den USA, wo das „Quantitative Easing“ in noch stärkerem Maße praktiziert wurde. Die Amerikaner haben die Käufe von Wertpapieren schon 2015 beendet. Das führte per Saldo zu höheren Zinsen. Jetzt sind die USA schon weiter als Europa. Sie diskutieren bereits über Verkäufe von Wertpapieren. Das wird die Zinsen am Markt weiter nach oben treiben.