Internationale Rentenfonds Wie Anleihen-Anleger Währungsrisiken managen können

Jochen Felsenheimer bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der Geschäftsführer der Münchner Anleiheboutique Xaia Investment kommentiert jeden Monat Wirtschaft und Finanzmärkte mit kühlem Blick und einer wohldosierten Portion Witz. Umso mehr sticht es ins Auge, wenn plötzlich so etwas dort auftaucht: „Die Tatsache, dass Zentralbanken direkt in den Markt eingreifen, ist indes kein neues Phänomen“ – soweit, so gewohnt nüchtern. Aber dann: „Allerdings ist die Massivität dieser Eingriffe beängstigend.“ Eine beängstigende Wortwahl.

Dazu stellt Felsenheimer eine Grafik, nach der sich die Bilanzsummen der zehn größten Zentralbanken seit 2006 mehr als vervierfacht haben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat für mehr als 1,5 Billionen Euro Anleihen gekauft. Staatsanleihen für 1,2 Billionen Euro schlummern schon in der Bilanz. Der Euro-Staatsanleihe-Index von Bank of America Merrill Lynch ist 6,5 Billionen Euro schwer, ein Fünftel hat die EZB abgeräumt.

Foto: NASA/CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons

Wie diese Kaufwut endet, darüber streiten sich die Gelehrten. Aber als im Frühjahr 2013 der damalige Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, nur laut darüber nachdachte, weniger Anleihen zu kaufen, brach an den Märkten ein heißer Sommer an. „Uns beunruhigen Risiken, die die Zentralbanken zurückgedrängt haben, zum Beispiel Volatilität und Laufzeitprämien“, sagt auch Daniel Ivascyn, Fondsmanager beim Anleihespezialisten Pimco. „Sollten die Zentralbanken das nicht mehr im Griff behalten, könnte es scharfe Preiskorrekturen geben.“

Es erfordert eine Menge Fantasie, sich vorzustellen, dass es auf einem derart verzerrten Markt glimpflich abläuft, wenn der monatelange Haupt-Aufkäufer das Feld verlässt. Daher ist es keine schlechte Idee, sich mit einem guten Teil des Anlagegeldes aus der Eurozone zu entfernen und damit dem Sog der EZB zu entziehen. Der Vorteil lässt sich an zwei Zahlen festmachen: Eine US-Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit bringt eine Rendite von 2,5 Prozent, eine Bundesanleihe liegt bei 0,4 Prozent. Das ist ein ordentlicher Zinsvorteil. Nur ist der an ein enormes zusätzliches Risiko gekoppelt: den Wechselkurs zwischen Dollar und Euro. Gewinnt der Dollar an Wert, gibt’s auf die 2,5 Prozent im Jahr noch was obendrauf. Verliert er, kann das locker die Rendite der Anleihe aufzehren. Wechselkurse verursachen zwei Drittel der gesamten Kursschwankungen eines globalen Anleiheportfolios, heißt es in einer Studie der Fondsgesellschaft Fidelity.

Nun muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er das will. Ein Ausweg ist es, den Wechselkurs für die Anlagedauer festzuschreiben und damit das Risiko auszuschalten. Im Fachsprech heißt das auch Währungs-Hedge. Hierfür gibt es an den Derivatemärkten diverse Möglichkeiten, die aber alle auf ein und denselben Effekt hinauslaufen: Man legt für einen bestimmten Termin einen Wechselkurs fest. „Speziell beim Währungs-Hedging nutzen wir fast immer Forward-Geschäfte, weil diese Märkte am liquidesten sind und am effektivsten arbeiten“, berichtet Michael Story, Produktmanager bei Pimco.

Bei einem Forward verpflichten sich zwei Geschäftspartner, zu einem bestimmten Termin einen bestimmten Betrag zweier Währungen zu einem bestimmten Kurs zu tauschen. Der künftige Kurs basiert auf dem aktuellen Wechselkurs plus oder minus der risikofreien Zinsdifferenz für genau diese Laufzeit in den zwei Währungen. Und das relativiert den Zinsvorteil der Amerikaner sofort. Denn der Forward-Kurs für einen Monat Laufzeit lag am 30. November 2016 bei 0,94269 Euro je Dollar, der aktuelle Wechselkurs jedoch bei 0,94441 Euro. Es kostete also 0,182 Prozent, den Kurs für einen Monat abzusichern. Macht aufs Jahr gerechnet 2,184 Prozent – der Zinsvorteil ist fort. Derselbe Effekt lässt sich auch bei anderen Währungen beobachten.