Interview Max Otte: „Bargeldverbot macht uns zu Geiseln der Banken“

Max Otte ist Fondsmanager und Professor für quantitative und qualitative Unternehmensführung an der Karl-Franzens-Universität Graz. Foto: Sahra Porsack / Hanseshot

Max Otte ist Fondsmanager und Professor für quantitative und qualitative Unternehmensführung an der Karl-Franzens-Universität Graz. Foto: Sahra Porsack / Hanseshot

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Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Anfang Mai beschlossen, die Herstellung der 500-Euro-Banknote dauerhaft einzustellen. Damit habe man Bedenken Rechnung getragen, dass diese Banknote illegalen Aktivitäten Vorschub leisten könnte. Doch an dieser Begründung kommen Max Otte Zweifel, erklärt der Fondsmanager und Universitätsprofessor im Interview.

DAS INVESTMENT.com:  Werden Sie den 500-Euro-Schein in Ihrem Alltag vermissen?

Max Otte: Ich persönlich werde den 500-Euro-Schein kaum vermissen, obwohl ich auch schon Transaktionen mit 500-Euro-Scheinen durchgeführt habe. Aber ich kenne etliche ältere Menschen, die ihr Vermögen oder ihre Reserven legal in 500-Euro-Scheinen halten und bei denen die Bank diese Noten jetzt nicht ohne ausführliche Begründung wechseln will. Das ist eine absolute Kriminalisierung und Verängstigung rechtstreuer Bürger. Wir werden den 500-Euro-Schein vor allem als Wertspeicher und Abstimmungskarte gegen die Macht der Banken vermissen.

Wie beurteilen Sie das Argument, die Abschaffung dieser Banknote diene der Bekämpfung der Kriminalität?


Dieses Argument ist ein Scheinargument. Kriminelle finden immer ihre Wege. Die Abschaffung des 500-Euro-Scheins macht uns zu Geiseln der Banken und verängstigt die Bürgerinnen und Bürger.

Was sind Ihrer Meinung nach die wahren Hintergründe der Entscheidung der EZB?

Das Bargeld soll zunehmend verdrängt werden – dazu gehört auch die Abschaffung großer Geldscheine, weil wir dann den Banken nicht mehr die rote Karte zeigen können. Das Geld ist dann im Banksystem gefangen. Ich erwarte demnächst auch Zahlungsobergrenzen und „Abhebe-Obergrenzen“ am Bankautomaten.