Jan Poser zur Eurokrise: „Es wird nur eine zweitbeste Lösung geben“

Jan Poser

Jan Poser

// //

DAS INVESTMENT.com: Ihre Prognose in Prozent: Wie wahrscheinlich ist eine Rückkehr einer nationalen Währung? Werden insgeheim D-Mark oder Drachme bereits gedruckt?

Jan Poser: Ich bin der Meinung, dass ein Austritt Griechenlands an keinem Euro-Gipfel ein Thema war. Es wäre auch absurd: Nur weil die Finanzmärkte verrücktspielen, war der Euro keine dumme Idee.

Die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr zu nationalen Währungen muss null sein und bleiben. Die Idee des Euros war, einen Währungsraum zu schaffen, in dem Handel und Dienstleistungen frei zirkulieren können, mit der Sicherheit, dass die Paritäten für immer unverrückbar sind. Gäbe es darüber keine Sicherheit, würden Unternehmen und Banken ein ganz anderes Risikoverhalten gegenüber dem Euro-Ausland an den Tag legen.

Kämen solche Spekulation auf, würden von heute auf morgen Banken in Südeuropa zusammenbrechen, weil Anleger ihr Geld abziehen. Die Kosten eines Euroaustritts wären für alle Seiten verheerend. Meine Prognose ist, dass die Eurozone nicht schrumpfen, sondern wachsen wird. In den nächsten zehn Jahren werden Polen, Tschechien, Lettland und Litauen beigetreten sein.

DAS INVESTMEN.com: Spielen Sie Finanzgott: Wie sehen ihre Maßnahmen zur nachhaltigen Lösung der Schuldenkrise der Europäer aus?

Poser: Das Nirwana wäre, dass Eurobonds eingeführt werden und die Europäische Union im Gegenzug dafür Südeuropa Sparmaßnahmen auferlegen kann. Tatsächlich wären durch eine Garantie Nordeuropas für Südeuropa die Banken gerettet und die Finanzmärkte beruhigt.

Allerdings wird dieser Vorschlag Nirwana bleiben, weil Eurobonds ein Blankoscheck für Fehlverhalten wären und sich nationale Regierungen – auch die deutsche – sehr ungern freiwillig dem Ausland beugen.

Wir müssen uns damit abfinden, dass es nur eine zweitbeste Lösung geben wird. Diese zweitbeste Lösung bekommen wir, wenn der Rettungsschirm als Versicherungslösung ausgestaltet wird und damit soweit aufgestockt wird, dass er auch Spanien und Italien stützen kann, wenn die Finanzmärkte in Panik geraten.

Der Internationale Währungsfonds ist dann der „böse Polizist“, der die Auflagen für die Vergabe des Geldes durchsetzt, weil die Europäer untereinander zu nett sind. Die Drohfunktion der Finanzmärkte muss bestehen bleiben. Es wird eine längere Zeit und viele Sparrunden in Europa brauchen, bis die Finanzmärkte wieder Zutrauen finden.