Kenneth Rogoff: „Jede zweite Pleite bei Schulden unter 60 Prozent“

Kenneth Rogoff bei der Verleihung des Deutsche Bank Prize<br>in Financial Economics (Foto: DAS INVESTMENT.com)

Kenneth Rogoff bei der Verleihung des Deutsche Bank Prize
in Financial Economics (Foto: DAS INVESTMENT.com)

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Er wirkt wie sein Image: Akademiker mit Platte und Brille, gelassen und intellektuell lustig. Jetzt ist er um eine weitere Auszeichnung reicher, den Deutsche Bank Prize in Financial Economics 2011 – und um 50.000 Euro.

Er ist damit der vierte Preisträger nach Robert Shiller von der Uni in Yale, Michael Woodford von der Uni Columbia und Eugene Fama von der Uni Chicago. Die Veranstaltung gestern in der Goethe-Universität zu Frankfurt zeigt einerseits, wie einerlei Josef Ackermanns Reden sind. Andererseits lässt Rogoff in einem Vortrag aufblitzen, warum er den Preis zu Recht erhalten hat.

Doch zunächst spult Ackermann seinen bekannten Text herunter von den „herausfordernden“ (er meint unbequemen) Aussichten der Industrieländer. Aber auch die Märkte der Schwellenländer würden sich abkühlen, so der Deutsche-Bank-Chef. Und nun? „Uncertainty is currently the name oft the game“ – etwa: „Unsicherheit steht auf der Tagesordnung”, meint Ackermann.


Von links: Uwe Walz, Direktor Center for Financial Studies, Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Rogoff mit Deutsche Bank Prize, Josef Ackermann, Chef Deutsche Bank (Foto: CFS)

Den Euro selbst bezeichnet er als gesund. Die Eurozone sei jedoch durch die Schuldenprobleme einiger Mitgliedsstaaten bedroht. Das sei, zitiert Ackermann Rogoffs Meinung, ein typisches Nachbeben einer heftigen Finanzkrise.

Kurz nach Vier, Auftritt Rogoff

Ein Vortrag darüber, was Schulden eigentlich sind, wie viel ein Staat davon verträgt, und welche Probleme die Analyse bereiten kann.

Darin stellte er zunächst klar, dass eigentlich kein Land die Pflicht habe, seine Schulden zu zahlen. „Es gibt keinen Zwangsmechanismus für Schuldendienst“, sagt Rogoff und zuckt schmunzelnd die Schultern. Hauptsächlich bedienten Länder ihre Schulden aus Imagegründen, um international dabei zu bleiben. Doch: So richtig zurück zahlt kaum jemand etwas. „Selbst Griechenland bekommt noch immer Geld.“