Kleine Schuldner ganz groß „Er spielt seine Stärke in der Krise aus“

William de Vries arbeitet für die niederländische Fondsgesellschaft Kempen Investments

William de Vries arbeitet für die niederländische Fondsgesellschaft Kempen Investments

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Im Gespräch erklärt de Vries, wie er einen Anleihe-Index nach fundamentalen Kriterien bauen lässt und welche Rolle der Energieverbrauch eines Landes dabei spielt. William de Vries arbeitet für die niederländische Fondsgesellschaft Kempen Investments und verantwortet unter anderem den Rentenfonds Kempen (Lux) Global Sovereign Fundamental Index Fund (ISIN: LU0772265244).

Der Fonds folgt einem Index, der nach einem anderen Muster aufgebaut ist als die klassischen Barometer. Man könnte das auch als Smart-Beta bezeichnen. Darunter versteht die Finanzbranche, wenn man herkömmliche Marktindizes so umbaut, dass sie verbesserte Eigenschaften haben.

DAS INVESTMENT.com: Erklären Sie bitte kurz das Grundprinzip des fundamental Indexing.

William de Vries: Klassische Indizes gewichten ihre Mitglieder nach deren Größe, große Schuldner haben damit großes Gewicht in Anleihe-Indizes und große Aktiengesellschaften in Aktienindizes. Beim fundamental Indexing geht es darum, Indizes nach anderen Kriterien zu bauen.

Die da wären?

Grundlage ist die Erkenntnis, dass Kurse von Wertpapieren um den wahren Wert herum schwanken. Aber sie kehren immer wieder auf diesen Wert zurück, im Englischen heißt das ‚Reversion to the mean‘. Notiert die Aktie über dem inneren Wert, verkauft man besser. Ist sie günstiger, kann man kaufen.

Bei Aktien nimmt man den Wert des Unternehmens als inneren Wert. So etwas haben Anleihen aber nicht, sondern nur einen Nominalwert.

Auch bei Anleihen gibt es wirtschaftliche Fakten, um die sich Kurse und Renditen drehen sollten. Das tun sie aber nicht, weil die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik alles unter Druck setzen.

Damit sind selbst bei riesigen Schuldnern wie USA oder Japan die Renditen auf Staatsanleihen niedrig. Aber irgendwann werden Anleger umdenken und solchen Staaten nicht einfach mehr Geld leihen.

Bei Schuldnern muss man immer auch die Vermögensgegenstände betrachten. Die USA und Japan haben schließlich auch zwei der größten Volkswirtschaften der Welt.

Das tun wir auch. In unserem fundamentalen Index kommen vier Faktoren zum Tragen: Das Bruttoinlandsprodukt steht für die reine Wirtschaftskraft. Struktur und Größe der Bevölkerung stehen für die mögliche Dynamik am Arbeitsmarkt und Innovationsfähigkeit. Die Landfläche steht für die verfügbaren Ressourcen. Und viertens zählt auch der Energieverbrauch.