Konsumtrends in China Chinesen mögen’s mobil

Angestellte von Alibaba auf einem Gala-Abend nach dem Singles Day in China: Mit einem Umsatz von umgerechnet 22 Milliarden Euro hat der Internethändler am 11. November 2017 wieder Rekorde gebrochen | © Getty Images

Angestellte von Alibaba auf einem Gala-Abend nach dem Singles Day in China: Mit einem Umsatz von umgerechnet 22 Milliarden Euro hat der Internethändler am 11. November 2017 wieder Rekorde gebrochen Foto: Getty Images

Am 11. November, dem Singles Day,  wurden auch in diesem Jahr wieder Rekordumsätze verzeichnet. An dem Tag feiern die Chinesen ihr eigenes Online-Shopping-Festival, rund zwei Wochen vor den Schnäppchentagen Black Friday und Cyber Monday in den USA. Die Alibaba Gruppe, das chinesische Pendant zu Amazon, wickelte während des 24-stündigen Einkaufsspektakels Waren im Wert von 25,3 Milliarden US-Dollar über ihr Zahlsystem Alipay ab – 39 Prozent mehr als 2016.

Der Übergang zu einem stärker konsumgetriebenen Wirtschaftswachstum in China nimmt langsam Gestalt an. „Zusammen mit der wachsenden Mittelschicht führt dies dazu, dass Produkte und Dienstleistungen eine höhere Marktdurchdringung erreichen und die Nachfrage nach Markenprodukten steigt“, sagt Dale Nicholls, Fondsmanager für asiatische Aktien bei Fidelity, und ergänzt: „Das verfügbare Einkommen hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, und die Einzelhandelsumsätze wachsen zweistellig.“

Chinas Konsumwelt ist jedoch kein einfacher Abklatsch des westlichen Einkaufsverhaltens. Nach Ansicht von Neil Gough, der für Fidelity über die asiatischen Märkte berichtet, hebt sich China vor allem in drei Bereichen ab: Das ist erstens die Gruppe der neuen Konsumenten, die die wirtschaftliche Veränderung im Land antreibt. Zweitens stechen einheimische Unternehmen hervor, die den E-Commerce dominieren, und drittens deren einzigartige und innovative Geschäftsmodelle.

Über 200 Millionen neue digitalaffine Konsumenten

Chinas neue Verbrauchergeneration, die Post-90er-Generation, umfasst mehr als 200 Millionen Menschen. „Diese sind als Einzelkinder in einer digitalen Welt aufgewachsen, die Jüngsten sind jetzt fast 20 Jahre alt, die Ältesten in den späten Zwanzigern. Sie kennen nur zwei Geschwindigkeiten des wirtschaftlichen Wachstums: schnell und schneller“, so Gough. Die chinesischen Millennials haben mehr Geld in der Tasche als vorangegangene Generationen. Und durch das Angebot an bezahlbaren leistungsstarken Smartphones lernen sie Online-Shopping nicht wie die westliche Welt am Computerbildschirm kennen, sondern gleich auf ihren mobilen Geräten. Die drei größten Provider in China vermelden rund 1,4 Milliarden mobile Nutzerkonten. Laut einer Umfrage von Price Waterhouse Coopers nutzen 52 Prozent der chinesischen Verbraucher täglich oder wöchentlich mobile Geräte, um Einkäufe zu tätigen. Und 90 Prozent der Alibaba-Umsätze am Singles Day erfolgten mobil.

Neben der führenden digitalen Bezahlplattform Alipay spielt TenPay, das Pendant von Tencent, eine wichtige Rolle, vor allem bei Käufen außerhalb des Internets. „Ihre Dominanz bei digitalen Transaktionen liefert diesen Unternehmen zugleich eine Schatzkiste an Daten, die sie nicht nur für zielgerichtete Werbung einsetzen können“, erläutert Hyomi Jie, Fondsmanager für chinesische Aktien bei Fidelity. Zum Beispiel könnten die Daten für automatisierte Entscheidungen über die Bonität potenzieller Kreditnehmer genutzt werden. „Tatsächlich sind sowohl die Alibaba-Tochter Ant Financial als auch Tencent bereits in der Bonitätsprüfung und bei Online-Anlageprodukten aktiv“, so Jie.

Virtuelle Geschenke statt Nutzergebühren

Neben Alibaba und Tencent ist Baidu der Dritte im chinesischen Internet-Triumvirat. Dass westliche Giganten wie Facebook, Amazon und Alphabet im Reich der Mitte nicht Fuß fassen konnten, führt Gough unter anderem auf die staatlichen Kontrollen und Filtermechanismen im Internet zurück. In Folge entstanden die heimischen Tech-Konzerne. Diese profitieren von den hohen Nutzerzahlen in China, aber auch davon, dass diese Nutzer sehr viel Zeit mit ihren Dienstleistungen verbringen.

Ihre Angebote sind nicht nur Kopien der westlichen Geschäftsmodelle, sondern sie schaffen ihr eigenes digitales Ökosystem. „Eine ganze Reihe von Unternehmen experimentiert mit neuen, lukrativen und technologiebasierten Ideen“, so Fondsmanager Nicholls. Sehr erfolgreich ist beispielsweise Tencents Multifunktions-App WeChat, die unter anderem einen Nachrichtenversand und ein soziales Netzwerk bietet, in die aber auch die Bezahlfunktion TenPay eingebettet ist. Als weitere Beispiele nennt Nicholls den Mitfahrdienst Didi oder das Start-up Mo-Bike, das nicht nur in China, sondern auch in Europa seine Leihfahrräder anbieten will. Sehr populär ist in China zudem Livestreaming. Jeder kann seine eigene Unterhaltungsshow starten, bezahlt wird über virtuelle Geschenke, für die die Zuschauer reales Geld zahlen. Hieran verdienen auch die Anbieter der Livestreaming-Plattformen ­– und letztlich auch wieder die Online-Zahlungssysteme. Im Gegensatz zu Deutschland ist China auf dem besten Weg in eine bargeldlose Zukunft.

Eine Anlageentscheidung sollte in jedem Fall auf Grundlage der wesentlichen Anlegerinformationen, des letzten Geschäftsberichtes und – sofern nachfolgend veröffentlicht – des jüngsten Halbjahresberichtes getroffen werden. Diese Unterlagen sind die allein verbindliche Grundlage des Kaufes und können kostenlos bei der FIL Investment Services GmbH, Postfach 200237, 60606 Frankfurt/Main oder über www.fidelity.de angefordert werden. Die FIL Investment Services GmbH veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen, erteilt keine Anlageempfehlung/Anlageberatung und nimmt keine Kundenklassifizierung vor. Diese Informationen dürfen ohne vorherige Erlaubnis weder reproduziert noch veröffentlicht werden. Die Nennung von Einzeltiteln dient ausschließlich der Illustration und ist nicht als Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen. Bitte beachten Sie, dass diese Ansichten nicht länger aktuell sein können und Fidelity daraufhin bereits reagiert haben kann. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Fremdwährungsanlagen sind Wechselkursschwankungen unterworfen. Fidelity, Fidelity International, das Fidelity International Logo und das „F-Symbol“ sind Markenzeichen von FIL Limited. Herausgeber: FIL Investment Services GmbH, Kastanienhöhe 1, 61476 Kronberg im Taunus. Stand, soweit nicht anders angegeben: 06.12.2017.

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