KPMG-Studie Investitionen in Fintechs brechen weltweit ein

KPMG-Studie: Investitionen in Fintechs brechen weltweit ein | © negativespace.co

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Sven Korschinowski, Experte im Bereich Financial Services bei KPMG

Von 46,7 auf 24,7 Milliarden US-Dollar sanken die weltweiten Investitionen in Fintechs im vergangenen Jahr, berichtet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG jetzt in ihrer Studie „Pulse of Fintech“. Demnach floss mit 11 Milliarden US-Dollar aus Private Equity deutlich weniger Geld als noch im Jahr 2015 (18 Milliarden).

„Der Rückgang ist zum großen Teil der Unsicherheit geschuldet, die sich vergangenes Jahr an den Finanzmärkten breit gemacht hat“, erklärt KPMG-Partner Sven Korschinowski. „Die Auswirkungen des Brexit und der US-Wahl, dazu das sich abschwächende Wachstum in China und starke Schwankungen der Wechselkurse haben Investoren vorsichtiger werden lassen.“

Deutschland zieht Venture Capital an

Besonders auffällig ist der Rückgang der Investitionen in Europa, wo die Summe des in Fintechs investierten Kapitals von 10,9 Milliarden Dollar (2015) auf nur noch 2,2 Milliarden zurückging. Und auch die Zahl der Investments sank von 349 auf 318. Allerdings zeigten Venture Capital-Investoren zunehmend Interesse am Fintech-Markt, so Korschinowski.

Die Wagniskapitalgeber schlossen 2016 insgesamt 242 Deals mit einem Gesamtvolumen von 1,4 Milliarden Dollar ab, das waren mehr als im Vorjahr (230 Deals mit 1,3 Milliarden Dollar). Davon wiederum floss ein bedeutender Teil nach Deutschland: Hier verdreifachten sich die Risikokapital-Investitionen von 106 Millionen auf 376 Millionen Dollar – bei einer Zunahme der Deals von 23 auf 31.

Insuretech- und Blockchain-Investments

Eine deutliche Zunahme verzeichnen Investments in Start-ups aus dem Versicherungsbereich: so floss 2016 mit knapp 1,2 Milliarden Dollar fast doppelt so viel Geld in Insurtechs wie noch im Jahr zuvor (590,2 Milliarden). Und auch Unternehmen aus dem Bitcoin- und Blockchain-Umfeld konnten mehr Investitionen für sich verbuchen: Hier stieg die Summe von 441 Millionen Dollar (2015) um 23 Prozent auf 543,6 Millionen im vergangenen Jahr.

„Im vergangenen Jahr haben sich Konsortien wie etwa B3i im Versicherungsbereich gebildet, die der Blockchain-Technologie mehr Aufmerksamkeit verschaffen und deren Entwicklung fördern wollen“, erklärt Korschinowski. „Viele Finanzdienstleister haben inzwischen eingesehen, dass sie auch in diesem Segment durch eine Zusammenarbeit mit Fintechs ihre eigene Transformation schneller vorantreiben können.“

Und der nächste heiße Trend zeichne sich bereits ab, so Korschinowski: „2018 wird die erweiterte Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 der EU in Kraft treten. Sie schreibt Banken vor, Drittparteien einen sicheren Zugang zur Verfügung zu stellen, um Kontodaten einzusehen und Zahlungen zu veranlassen. Auf diesen Zug werden auch Fintechs oder Internet-Giganten aufspringen.“