Krautzbergers Kosmos Demografie spricht für langfristige Niedrigzinsen

Thermostat von Hive, mit dem Heizung und Warmwasser über‘s Smartphone gesteuert werden kann. Technologischer Fortschritt ist ein Argument für anhaltend niedrige Zinsen. (Foto: Getty Images)

Thermostat von Hive, mit dem Heizung und Warmwasser über‘s Smartphone gesteuert werden kann. Technologischer Fortschritt ist ein Argument für anhaltend niedrige Zinsen. (Foto: Getty Images)

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Wie schnell und wie weit wird die US Notenbank Fed die Zinsen anheben, und wie richte ich mein Portfolio auf höhere Zinsen aus? Kaum eine andere Frage treibt Investoren momentan so stark um. Auch wenn die Zinswende einer der aktuellen Treiber für das Geschehen am Kapitalmarkt ist, sollten langfristig ausgerichtete Anleger nicht außer Acht lassen: Es gibt gesellschaftliche Entwicklungen, die für anhaltend niedrige Zinsen sprechen – der technologische Fortschritt und die alternde Bevölkerung.

Smartphones verdeutlichen die Auswirkungen technologischen Fortschritts sehr gut: Sie bieten Funktionen, die vor ein paar Jahren den Kauf mehrerer Geräte wie Telefon, Discman und Computer erfordert hätten. Auch in der industriellen Produktion führen technische Innovationen zu Effizienzgewinnen, wie das Beispiel der Ölförderung zeigt: Die Produktionsmenge in den USA ist in den vergangenen Jahren gestiegen, obwohl die Zahl der Bohranlagen konstant geblieben oder gar zurückgegangen ist. In solchen Fällen kann man von einer „produktiven Disinflation“ sprechen.

Angebot an Zinspapieren dürfte sinken

Was die alternde Gesellschaft betrifft, so erwarten die Vereinten Nationen den Anteil der Bevölkerung im Alter jenseits von 60 Lebensjahren in den Industriestaaten 2025 bei 30 Prozent. Zum Vergleich: 1975 waren es 15 Prozent. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist diese Entwicklung interessant, weil Ruheständler einen geringeren Einfluss auf das Wirtschaftswachstum und den Finanzmarkt haben als Berufstätige. Gleichzeitig bedeutet diese Entwicklung, dass die Staaten mehr Geld zur Finanzierung der sozialen Fürsorge verwenden könnten. Im Gegenzug würden die Mittel an anderen Stellen, an denen sie stärkere Konjunkturimpulse setzen könnten, fehlen.

In der Folge bliebe das globale Wachstum geringer als gewohnt, und die Geldpolitik müsste lockerer bleiben. Hinzu kommt, dass ältere Menschen sich in der Regel in geringerem Maß verschulden als Berufstätige und eher auf Anleihen setzen als auf andere Anlageklassen. Dies dürfte dazu führen, dass die Nachfrage nach Zinspapieren steigt, während das Angebot sinkt. Die Folge wären höhere Anleihekurse und niedrigere Renditen. Auf diese strukturellen gesellschaftlichen Entwicklungen haben die Notenbanken keinen entscheidenden Einfluss. Daher sollten Anleger sich rechtzeitig darauf einstellen, dass die Zinsen langfristig niedriger als gewohnt bleiben könnten.