Loys-Chef Ufuk Boydak „Spätestens ab diesem Lebensalter sollten Menschen systematisch Aktien kaufen“

Ufuk Boydak:

Ufuk Boydak: "Das Investmentsteuerreformgesetz ist ein weiterer Tiefschlag für die Aktienanlage." Foto: Loys AG

„Spar dich reich“ scheint unter Deutschlands vermögenden Geldbesitzern ein weit verbreiteter Glaubensgrundsatz zu sein, den man in den vergangenen Jahren nicht einfacher hätte widerlegen können. Deutsche Anleger verlieren angesichts negativer Realzinsen mit ihrer paradoxen Vorliebe für Sichteinlagen jährlich zweistellige Milliardenbeträge. Und während Aktienbesitzer über neue Höchststände an vielen internationalen Aktienbörsen jubeln, bleibt für die Falschparker auf den Geldmarktkonten nur eine Träne des Bedauerns angesichts fortgesetzter Kaufkraftverluste. Dabei gäbe es eine Lösung für dieses Problem: eine Erhöhung ihrer Aktienquote.

Fehlallokation beispiellosen Ausmaßes

Die Europäische Zentralbank hat im letzten Dezember klargestellt, dass sie die Zinsen im Euro-Raum bis auf weiteres nicht anheben wird. Bedingt durch eine Teuerungsrate, die die Sparverzinsung deutlich übersteigt, dürfte dieser Kaufkraftverlust also mindestens bis 2019 andauern.

Derzeit befinden sich auf deutschen Bankkonten trotzdem gut zwei Billionen Euro in Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen. Zur Illustration: Würde man die Entwicklung der negativen Realzinsen auf diese Gelder fortschreiben, dann würden die Sparer über zwanzig Jahre ein gutes Viertel dessen verlieren, was sie heute in Sichteinlagen halten.

Paradoxerweise ist eine weit verbreitete Reaktion eine weitere Erhöhung der Sparquote. Insgesamt beobachten wir hier eine Fehlallokation beispiellosen Ausmaßes.

Die Keule unterlassener Altersvorsorge

Der Umfang des deutschen Vermögensverzichts im internationalen Vergleich ist geradezu dramatisch. Auch wenn das Geldvermögen der privaten Haushalte hierzulande auf sechs Billionen Euro stieg und damit seit 2009 um circa zwanzig Prozent zulegen konnte – US-Amerikaner und Schweden konnten in diesem Zeitraum ihren Reichtum mindestens verdoppeln.

Die Unterschiede ergeben sich vor allem aus den jeweils unterschiedlichen Aktienquoten bei Anlegern. In den USA und in Schweden ist die Aktienquote bei privaten Haushalten dreimal so hoch wie in Deutschland, wo bestenfalls 14 Prozent in Aktien, Aktienfonds oder -zertifikaten angelegt sind.

Man kann es nicht drastisch genug sagen: Wer nicht spätestens ab dem Lebensalter von 47 Jahren systematisch in Aktien zu investieren beginnt, den trifft zwanzig Jahre später die Keule unterlassener Altersvorsorge mit voller Wucht.