In die Tüte gesprochen Cannabis berauscht die Börsen

Markus Richert ist Finanzplaner bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.

Markus Richert ist Finanzplaner bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln.

Cannabis ist angekommen in der amerikanischen Gesellschaft. Seit 2013 entscheiden die US-Bundesstaaten selbst über ihre Cannabis-Politik, ungeachtet des Verbots der Droge auf Bundesebene. Mittlerweile haben acht Bundesstaaten Marihuana für den Freizeitkonsum legalisiert. Seit Anfang dieses Jahres gehört Kalifornien dazu. Dadurch entsteht der vermutlich größte legale Markt für Marihuana weltweit.

Die Unternehmensberatung Arcview sieht in der Legalisierung von Cannabis als Genussmittel ein riesiges wirtschaftliches Potenzial. Nach einigen Jahren könne der Wirtschaftszweig jährlich eine Milliarde Dollar Steuereinnahmen für den Bundesstaat generieren. Der Umsatz der legalen Hanf-Industrie in den gesamten USA dürfte innerhalb der kommenden zehn Jahre auf mehr als 50 Milliarden US-Dollar steigen, errechnet der Finanzdienstleister Cowen & Co. In den Vereinigten Staaten könnten mehr als 400.000 neue Arbeitsplätze entstehen, so die Prognose der University of California.

Dieses Argument lässt die Kritiker aus der Politik zusehends leiser werden. Sorgen machen sich überraschenderweise andere. Vor allem Spirituosen-Hersteller und Händler fühlen sich durch die Legalisierung bedroht. Sie fürchten, dass der Boom auf Kosten ihrer Verkäufe im Wert von derzeit rund 200 Milliarden Dollar jährlich gehen wird.

Tatsächlich gehen einige Beobachter davon aus, dass Verbraucher ihren Alkoholkonsum zugunsten des Marihuanas reduzieren werden. Am schlimmsten dürfte es die Hersteller hochprozentiger Spirituosen und sogenannte Craft-Beer-Brauer treffen. Deren meist junge Konsumenten könnten eher für einen Umstieg auf Marihuana empfänglich sein. Dass der klassische Budweiser-Trinker, meist Industriearbeiter, dagegen in Zukunft Cannabis raucht, gilt als eher unwahrscheinlich. Trotzdem führten einige börsennotierte Unternehmen die Cannabislegalisierung als wirtschaftliches Risiko in ihren Mitteilungen an die Finanzmarktaufsicht an.

Statistiken, die die Furcht der Brauer und Schnapsbrenner belegen, gibt es noch nicht. In Colorado, das den Marihuana-Konsum ohne ärztliches Rezept als erster Bundesstaat vor zwei Jahren legalisierte, nahm der Verkauf von Alkohol sogar leicht zu. So sieht dann auch mancher Hersteller in der Legalisierung ein zusätzliches Geschäftspotenzial. Constellation Brands, ein Konzern, der unter anderem Corona Bier sowie Wodka und Tequila herstellt, denkt darüber nach, Cannabis als Geschmacksrichtung anzubieten. Ganz nach dem Motto: The trend is your friend.

Überträgt man sie ersten Erfahrungen in den USA auf Deutschland, könnte sich auch der deutsche Finanzminister freuen. Erste konservative Schätzungen gehen von Steuereinnahmen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro pro Jahr aus. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich die Politik diesem Reiz entziehen kann.

Finanzkräftige Investoren haben sich bereits in Stellung gebracht. Durch die zunehmende Legalisierung entsteht ein Milliardenmarkt. In den USA gehören Unternehmen, die sich auf die Produktion und Vertrieb von Cannabis konzentrieren zu den großen Gewinnern der letzten Jahre.