MSCI-Hochstufung Argentinien an der Schwelle

Argentiniens Staatschef Mauricio Macri wirbt für seine Reformen: Seine mögliche Wiederwahl 2019 könnte mit der internationalen Aufwertung Argentiniens als Schwellenland zusammenfallen.  | © Getty Images

Argentiniens Staatschef Mauricio Macri wirbt für seine Reformen: Seine mögliche Wiederwahl 2019 könnte mit der internationalen Aufwertung Argentiniens als Schwellenland zusammenfallen. Foto: Getty Images

Die Ankündigung der Aufnahme Argentiniens in den Emerging Markets (EM) Index von MSCI kommt für den einen oder anderen Marktbeobachter überraschend. Das Land hatte zuletzt mit Problemen zu kämpfen: Der Argentinische Peso wurde stark abverkauft und die Regierung sah sich gezwungen, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Rettungspaket in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar zu beantragen.

Wie lässt sich folglich die bevorstehende Hochstufung erklären? MSCI zufolge hängt die Entscheidung mit der Zuversicht internationaler institutioneller Anleger hinsichtlich der Fähigkeit des Landes zusammen, die aktuellen Bedingungen für den freien Zugang zum Aktienmarkt aufrecht zu erhalten. Hierbei handelt es sich um einen entscheidenden Faktor in dem von MSCI verwendeten Klassifizierungsrahmen. Angesichts der jüngsten Ereignisse, die Einfluss auf die Lage Argentiniens an den Devisenmärkten haben, wies MSCI jedoch darauf hin: Sollte Argentinien den Marktzugang für ausländische Investoren auf irgendeine Art und Weise – etwa durch Kapital- und Devisenkontrollen – einschränken, würde der MSCI seine Upgrade-Entscheidung einer erneuten Prüfung unterziehen.

Nach zehn Jahren winkt die Aufnahme ins Schwellenmarktuniversum

Kommt es nicht zu Änderungen im Plan, soll Argentinien ab Mitte 2019 den begehrten Schwellenländerstatus erhalten. In diesem Zusammenhang werden dann argentinische Aktien in den MSCI Emerging Markets Index aufgenommen. Der Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Marktkapitalisierung aus 24 Schwellenländern. Damit zählt dann das Land am Rio de la Plata nach Ablauf von zehn Jahren wieder zum Schwellenmarktuniversum – das Land war im Zuge der Finanzkrise 2009 von Schwellen- auf Grenzmarktstatus heruntergestuft worden.

Die Entscheidung dürfte für Kapitalzuflüsse seitens aktiver und passiver Anleger sorgen, die entweder den MSCI Emerging Markets Index oder den MSCI Latin America Index als Benchmark ansetzen. Schätzungen von Morningstar und Bloomberg zufolge wird der MSCI EM Index durch verwaltetes Kapital in Höhe von rund 1,5 bis 1,9 Billionen US-Dollar nachgebildet – was bedeutet, dass dem Land erhebliches Kapital zufließen könnte.

In Abhängigkeit der für Argentinien vorgesehenen Ländergewichtung im MSCI, Schätzungen von J.P. Morgan und Merrill Lynch zufolge ist für das Land ein Anteil zwischen 0,4 und 0,5 Prozent des Index zu erwarten, könnte es zu einem Kapitalzufluss in Höhe von 1,5 bis 1,9 Milliarden US-Dollar aus passiven Anlagen sowie zu Zuflüssen in Höhe von bis zu 1,6 Milliarden US-Dollar aus aktiv verwalteten Strategien kommen.

Sollte sich die von MSCI vorgesehene Gewichtung jedoch am unteren Rand der geschätzten Spanne bewegen, wäre es allerdings auch möglich, dass sich das derzeitige Engagement aktiver Manager in Argentinien nicht wesentlich erhöht.

Macri-Regierung musste viel Aufbauarbeit leisten

Staatschef Mauricio Macri, der seit Ende 2015 aus dem Präsidentenpalast „Casa Rosada“ in Buenos Aires die Geschicke des Landes mit seinen 44 Millionen Einwohnern leitet, hatte mehrere komplexe Probleme zu bewältigen: Darunter ein übermäßig aufgeblähter öffentlicher Sektor, auf den auf nationaler und subnationaler Ebene 42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfielen (fast das Doppelte des 2002 verzeichneten Anteils von 26 Prozent), und ein duales, durch Kapitalkontrollen gestütztes Wechselkurssystem. Weil Argentinien zugleich immer noch bei mehreren Gläubigern mit Zahlungen in Verzug war, blieb in den vergangenen zweieinhalb Jahren der Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten weiterhin eingeschränkt.