Natixis-Vertriebschef Jörg Knaf „Diesen administrativen Aufwand werden kleine Berater kaum stemmen können“

Jörg Knaf ist zuständig für den Fondsvertrieb Deutschland, Österreich und Schweiz bei Natixis

Jörg Knaf ist zuständig für den Fondsvertrieb Deutschland, Österreich und Schweiz bei Natixis

DAS INVESTMENT: Im ersten Halbjahr gab es einige Ereignisse, die Sie als Vertriebschef nicht gefreut haben dürften: Die Gewinne des Börsenjahres 2015 waren nach nur elf Handelstagen dahin. Syrien, Flüchtlingskrise und weitere geopolitischen Brandherde, das Brexit-Referendum. Die Banken, vor allem die italienischen, sind in den Schlagzeilen geraten. Jetzt stehen die US-Wahlen vor der Tür. Wie ist Ihr Fazit aus Vertriebssicht für das bisherige Jahr 2016?

Jörg Knaf: Dass die Marktlage in den kommenden Jahren schwieriger wird, war vorauszusehen. Dass eine Hausse, die übrigens noch nicht zu Ende ist, irgendwann auch abflaut, ist zu erwarten.  Nur die Interventionen der Zentralbanken gestatten leider keinen glatten Abschluss und sorgen für ein Beben in den Märkten, das weit in das kommende Jahr hinein reichen wird.  Das erfordert starke Nerven, bietet mit der richtigen Anlage aber auch Chancen, günstig in den Markt einzusteigen.

Was wünschen Sie sich für das zweite Halbjahr und welche realistischen Erwartungen haben Sie?

Knaf: Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden.

Der Niedrigzins ist das alles dominierende Thema in der Finanzbranche. Ein paar vereinfachte Folgen: Rentenfonds werden zunehmend unattraktiv. Das Sparbuch ist keine Alternative mehr. Die Deutschen stürzen sich auf Immobilien, Gold wird wiederentdeckt. Multi-Asset-Fonds sind in aller Munde. Aktienfonds schlagen sich mittelmäßig, volatile Börsen und Regulatorik verhindern größere Mittelzuflüsse. Möchten Sie etwas ergänzen?    

Knaf: Was sie beschreiben, sind die Zutaten für eine Anlage, aber das Rezept für eine robuste Portfoliozusammensetzung schreibt eine ausgefeilte Allokation mit unkorrelierten Assets vor. Darüber hinaus bestimmt die Qualität der Zutaten, also die einzelnen Asset Manager, durchaus eine bedeutende Rolle im Ergebnis.  Man muss differenzieren, denn Fonds ist nicht gleich Fonds.

Auch mit Euro-Staatsanleihen lässt sich heute noch immer gut Geld verdienen. Nehmen Sie zum Beispiel Olivier de Larouziere, den Fondsmanager vom Natixis Souverains Euro Fonds. Er hat im laufenden Jahr mit bereits 3,50 % (Stand Ende September 2016) eine sehr gute Performance hingelegt.

Und obwohl Anleihen zunehmend unter Druck geraten, ist Anleihe nicht gleich Anleihe. Mit dem Loomis Sayles Short Term EM Bond Fonds hat man zum Beispiel Zugang zu einer weiteren Alpha-Quelle, die obendrauf durch ihre kurze Duration Turbulenzen in den Rentenmärkten, und damit auch den Drawdown des Portfolios, besser abfedert.

Multi-Asset, Immobilien und Gold, verlocken Anleger weiterhin. Aber Anleger sollten sich schon fragen, ob nicht mittlerweile das Ende der Fahnenstange erreicht wurde. Denn Immobilien in guten Lagen sind kaum noch auffindbar. Multi-Asset-Fonds weisen verstärkt Verluste auf, Rohstoffe bleiben volatil. Und trotz eines Seitwärtstrends, lohnt sich genauer auf die Aktienmärkte zu schauen. In diesem schwierigen Börsenjahr konnte beispielsweise der Natixis US Growth Fund um 7,00 % zulegen, in den letzten fünf Jahren sogar 14,69 % pro Jahr auf US-Dollar-Basis.