Pflegeversicherung: Der Alleingang des Daniel Bahr

Daniel Bahr, Gesundheitsminister der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Getty Images

Daniel Bahr, Gesundheitsminister der Bundesrepublik Deutschland. Foto: Getty Images

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Illegale Mittel würden viele Deutsche nicht scheuen, um ihre pflegebedürftigen Angehörigen gut versorgt zu wissen. Ein Viertel der Bevölkerung könnte sich laut einer aktuellen Umfrage der DKV vorstellen, eine Pflegekraft schwarz zu beschäftigen. Und das, obwohl illegale Beschäftigung kein Kavaliersdelikt ist und für den Arbeitgeber sehr teuer werden kann, wenn sie ans Licht kommt.

Die Zahl drückt aus, wie weit Angehörige gehen würden, um ihre Eltern oder andere Verwandte in gute Hände zu geben. Noch viel stärker fürchten die Befragten aber ihre eigene Pflegebedürftigkeit. Mehr als die Hälfte fühlt sich finanziell nicht ausreichend abgesichert, Frauen haben dieses Gefühl etwas stärker als Männer. Die Sorge ist berechtigt, wirft man einen Blick auf die aktuellen Beträge, die die gesetzliche Pflegeversicherung im Ernstfall übernimmt.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums erhalten Pflegebedürftige derzeit 1.550 Euro, wenn sie in der Pflegestufe III stationär im Heim oder zu Hause durch Fachpersonal versorgt werden. Ein Pflegeplatz insgesamt kann jedoch schnell bis zu 3.000 Euro monatlich oder mehr kosten. Alle Ausgaben, die über die Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung hinausgehen, müssen Pflegebedürftige beziehungsweise ihre Familien aus eigener Tasche bezahlen.

Noch kein Verkaufsschlager


Privat vorzusorgen ist also unumgänglich – davon sind Versicherer und Verbraucherschützer gleichermaßen überzeugt. Allerdings ist die private Pflegezusatzversicherung nicht gerade ein Verkaufsschlager unter den Zusatzpolicen. Rund 1,9 Millionen Menschen haben in Deutschland einen Vertrag abgeschlossen.

Der Verband der Privaten Krankenversicherer meldet für 2011 bei den Pflegekostentarifen 308.300, bei den Pflegetagegeldpolicen knapp 1,7 Millionen abgeschlossene Verträge. Bei den Pflegerenten sieht es noch mauer aus: Nach Angaben des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft hatten deutsche Lebensversicherer 2011 nur 77.000 Verträge im Bestand, 14.000 mehr als im Jahr zuvor. „Viele Deutsche verdrängen das Thema, weil der Leistungsfall meist in weiter Ferne liegt“, sagt Benno Schmeing, Produktmanager bei der DKV.

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Vielen Menschen sei es zudem unangenehm, über ihre eigene Pflegebedürftigkeit nachzudenken, deshalb verschieben sie die Beschäftigung mit dem Thema immer wieder. Allerdings steigt das Bewusstsein der Kunden für die entstehende Pflegelücke im Alter, glaubt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Wir bemerken eine steigende Nachfrage nach Beratung“, sagt er. Grundsätzlich hält er den Abschluss einer Pflegezusatzpolice für eine sinnvolle Investition, entweder um selbst für den Pflegefall vorzusorgen oder um das Familienvermögen zu schonen.