Sonja Laud im Gespräch „Wir sind keine Index-Schmuser“

Sonja Laud arbeitet seit 2017 als Leiterin des Aktien-Managements bei Fidelity International. Die gebürtige Ahrensburgerin lebt seit 2005 in London und managte dort zuerst bei Schroders Dividendenfonds, später bei Barings Multi-Asset-Strategien

Sonja Laud arbeitet seit 2017 als Leiterin des Aktien-Managements bei Fidelity International. Die gebürtige Ahrensburgerin lebt seit 2005 in London und managte dort zuerst bei Schroders Dividendenfonds, später bei Barings Multi-Asset-Strategien

DAS INVESTMENT: Drohende Handelskriege versetzen viele Ökonomen in helle Aufregung. Sie auch?

Sonja Laud: Nicht unbedingt, da wir fest davon überzeugt sind, dass es beim Aktien-Management auf lange Sicht zuvorderst auf das Wachstum von Unternehmen ankommt. Ein Handelskrieg könnte dieses auf breiter Front dämpfen, dennoch überwiegen bislang andere Faktoren unsere Analyse.

Und die wären?

Laud: Seit Jahresanfang lässt in Europa die wirtschaftliche Aktivität nach, die Stimmungsindikatoren zeigen steil nach unten. Das ist nach den historisch hohen Werten des Vorjahres, die einem Wirtschaftswachstum von 4 Prozent entsprochen hätten, nicht ganz ungewöhnlich, dennoch schmälert es die Aussichten. Ein Handelskrieg käme erschwerend hinzu. Weitere Zölle auf Automobile etwa könnten dem deutschen Aktienmarkt schaden. In diesem Fall werden wir die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der Autobauer und der Zulieferer jeweils unter die Lupe nehmen, um die Folgen abzuschätzen. Noch aber sind wir zuversichtlich für Aktien, wenn wir auch annehmen, den Gipfel des Gewinnwachstums bereits hinter uns zu haben.

Eine große Chance für Manager von Aktienfonds, oder?

Laud: Ja, klar. Dass im Vorjahr eine kleine Gruppe von Technologiekonzernen den gesamten Markt nach oben getrieben hat, war extrem und eine große Hürde für Fondsmanager, die Titel unabhängig von ihrer Benchmark auswählen wollten. Wer nicht auf die sogenannten Faang-Aktien Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google-Mutter Alphabet gesetzt hat, hatte keine Chance, besser als der Markt abzuschneiden. Doch das ändert sich, die Renditechancen streuen inzwischen wesentlich breiter, und aktive Manager können wieder Mehrwert erzielen.

Können sich Ihre Kunden darauf verlassen, dass Fidelity-Fondsmanager keine Index-Schmuser sind?

Laud: Absolut. Wir haben 150 Analysten, die weltweit aussichtsreiche Unternehmen finden. Die Kennziffer Active Share misst die Aktivität von Fonds, indem sie die Portfolios mit ihren Benchmarks abgleicht. Unser Ziel ist es, 60 bis 70 Prozent zu erreichen. In konzentrierten Märkten wie deutschen Standardwerten fällt dies selbstverständlich schwerer als in einem weltweiten Anlageuniversum.

Spielt eine Abkehr der Notenbanken on Hilfsprogrammen und Niedrigzinsen Fondsmanagern in die Karten?

Laud: Anleger konnten wegen dieser Politik mit einem Indexfonds auf globale Aktien zweistellige Renditen pro Jahr realisieren. Mit dem nun abnehmenden Wirtschaftswachstum wird dies nicht mehr möglich sein. Anleger mit Renditezielen müssen mehr auf aktive Fonds setzen. Grundsätzlich gilt, dass passive Anlagen umso besser funktionieren, je effizienter ein Markt ist. US-Standardwerte sind seit Jahren das beste Beispiel dafür. Der Höhenflug der Faang-Aktien hat es Fondsmanagern nochmals schwerer gemacht. Das Ende der Liquiditäts-Hausse wird aber auch dort bewirken, dass aktives Management sich wieder auszahlt.