Stiftungen und Anlageberater: "Gier ist hier fehl am Platz"

Markus Trescher (m.), Geschäftsführer der St. Dominikus Stiftung Speyer, nimmt eine Spende in Höhe von 15.000 Euro für das Kinderheim St. Annastift entgegen

Markus Trescher (m.), Geschäftsführer der St. Dominikus Stiftung Speyer, nimmt eine Spende in Höhe von 15.000 Euro für das Kinderheim St. Annastift entgegen

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Herr Trescher, was hat Sie dazu bewogen, Ihr Stiftungsvermögen einem unabhängigen Anlageberater anzuvertrauen?

Markus Trescher:
Das ist relativ schnell nach der Gründung passiert. Banken und Sparkassen sind zwar seriös. Auch war und ist die Zusammenarbeit gut. Sie haben aber ein gewisses Eigeninteresse. Deswegen wollten wir eine neutrale Beratung. Außerdem haben wir die Kosten verglichen. Nach unserer Prüfung fahren wir mit Herrn Sturhahn günstiger als mit Banken.

Auf welchem Weg finden sich Stiftungen und unabhängige Berater normalerweise?

Tobias Sturhahn:
Im kirchlichen Bereich kennt man sich. Da beraten sich
Ordensgemeinschaften auch untereinander. Daher geht es eigentlich nur über Mund-zu-Mund-Propaganda. Ich nenne das salopp Bankersharing. Jede Stiftung braucht einen Finanzspezialisten.

Trescher: Dem kann ich nur zustimmen. Werbeanzeigen wären ein absolutes Knock-out-Kriterium. Wenn mir eine andere Stiftung einen Anlageberater empfiehlt, weiß ich, dass es eine gute Sache ist. Es geht nur durch absolutes Vertrauen.

Was zeichnet den Spezialisten aus?

Sturhahn:
Spontan? Es ist seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass der Kunde in Relation mehr verdient als er selbst, gerade in Zeiten von Niedrigzinsen. Gier ist hier fehl am Platz. Als Dienstleister muss er dem Kunden sein Fachwissen vermitteln. Deshalb ist auch das fachliche Know-how extrem wichtig.

Trescher: Wir investieren nur in Produkte, die wir beide verstehen. Diesen Grundsatz haben Anlageberater von Banken in den vergangenen Jahren nicht immer verfolgt.

Sturhahn: Mir haben Banken in der Vergangenheit Anlageprodukte angeboten, deren Aufbau ich trotz meines Fachwissens nicht nachvollziehen konnte. Solche Konstrukte empfehle ich meinen Kunden nicht weiter.

Trotzdem haben Stiftungen nach wie vor Vorbehalte gegenüber unabhängigen Vermögensverwaltern oder Anlageberatern.

Sturhahn:
Man braucht in der Tat einen langen Atem. Beziehungen im Stiftungsbereich basieren extrem auf Vertrauen. Wenn Sie eine Stiftung aber erst einmal von Ihrer Leistung überzeugt haben, ist Ihnen eine nachhaltige persönliche Beziehung gewiss und wird von den Kunden verlangt - zu Recht.

Bei kirchlichen Stiftungen kommt hinzu, dass sie oder die Muttergesellschaft Verbindungen zu kirchlichen Banken haben. Aus diesem politischen Konstrukt wollen sie sich dann nicht immer herauslösen.

Welche Anforderungen stellt die St. Dominikus Stiftung an die Vermögensverwaltung?

Trescher:
Ziel des Vermögensmanagements ist es, möglichst hohe Erträge zur Finanzierung der Stiftungszwecke und -aufgaben zu erwirtschaften und zugleich die reale Substanz zu erhalten. Der Berater muss möglichst hohe Erträge erwirtschaften.

Die Zielvorgabe beträgt 0,5 Prozentpunkte über dem aktuellen Geldmarktzins. Um das zu gewährleisten, findet ein permanenter Austausch zwischen Stiftungsvorstand und Berater statt, sodass beide wissen, ob sie in die gleiche Richtung marschieren. Dabei sind die Anlagerichtlinien von allen Beteiligten zu beachten.

Sturhahn:
Auch innerhalb der jeweiligen Anlageklasse gibt es Restriktionen, die wir beachten müssen. Wir dürfen zum Beispiel bei Emittenten nur solche mit Investment Grade wählen. Und wir können nur einen geringen Teil in Aktien investieren. Es sind für jede Anlageklasse Quoten vorgegeben.