Sustainability-Rating von Morningstar „Wir wollen die Nachhaltigkeit von Fonds transparent machen“

Ali Masarwah ist seit 2011 als Chefredakteur für alle deutschsprachigen Websites von Morningstar verantwortlich. Zuvor war er seit 2003 beim Portfolio Verlag, zunächst als Chefredakteur von „Portfolio International“, später auch als Redaktionsleiter.

Ali Masarwah ist seit 2011 als Chefredakteur für alle deutschsprachigen Websites von Morningstar verantwortlich. Zuvor war er seit 2003 beim Portfolio Verlag, zunächst als Chefredakteur von „Portfolio International“, später auch als Redaktionsleiter.

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DAS INVESTMENT: Sie bewerten bei Fonds, die nicht ausdrücklich ökologische, soziale oder ethische Kriterien anlegen, wie nachhaltig das Portfolio ausfällt. Warum das?

Ali Masarwah: Die Nachhaltigkeitsbilanz konventionell investierender Fonds war bisher nicht für Anleger erschließbar. Das wollen wir mit unserem Rating ändern. Die Zahl der sogenannten SRI-Fonds, die nach diesen Kriterien ihre Titel auswählen, steht in keinem Verhältnis zum wachsenden Interesse von Investoren. Bislang haben nur etwa 2 Prozent aller Investmentprodukte weltweit ein Nachhaltigkeitsmandat. Dem stehen zahlreiche Anleger gegenüber, die zwar nachhaltig anlegen, sich aber nicht notwendigerweise an spezialisierten SRI-Fonds beteiligen wollen. Unser Anspruch ist es, das Nachhaltigkeitsprofil von Fonds auf dem gesamten Markt zu ermitteln und somit das Thema Fondsnachhaltigkeit für weite Anlegerkreise zu erschließen und transparent zu machen.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer neuen Analyse?

Die Anwendungsmöglichkeiten unseres Ratings sind vielfältig: Wer etwa feststellt, dass sein Fonds in unserem Nachhaltigkeits-Rating nicht besonders gut abschneidet, wird möglicherweise gezielt nach Fonds mit einem expliziten Nachhaltigkeitsmandat suchen. Andere Anleger werden möglicherweise zufriedener mit ihrem Fonds sein, wenn sie ein gutes Rendite-Risiko-Profil durch eine gute Nachhaltigkeitsbilanz ergänzt wissen. Zudem können Investoren unser Rating zum Anlass nehmen, sich stärker mit der Nachhaltigkeitsstrategie eines Fonds auseinanderzusetzen.

Welche konkreten Schlüsse können Investoren aus den Ratings am Ende für sich ziehen?

Das Morningstar Sustainability Rating liefert eine Übersicht über die Nachhaltigkeit der Unternehmen in einem Portfolio. Dazu misst es, wie diese Unternehmen die mit ökologischen und sozialen Fragen sowie der Unternehmensführung zusammenhängenden Chancen und Risiken managen. Basierend auf einem Scoring-Modell, das sich zwischen 0 und 100 Punkten bewegt, werden Rating-Stufen ermittelt. Weltkugel-Symbole verdeutlichen das erreichte Niveau: Ein Globus steht für das Rating „niedrig“, zwei Globen für „unterdurchschnittlich“, drei für „durchschnittlich“, vier für „überdurchschnittlich“ und schließlich die maximale Zahl von fünf Globen für das Rating „hoch“.

Die Sustainability Ratings der Fonds sind aber nicht direkt quer über den ganzen Markt zu vergleichen. Vielmehr gelten sie immer nur innerhalb bestimmter Produktkategorien?

Ja, das Morningstar Sustainability Rating eines Fonds ist immer relativ zu den anderen Produkten seiner Kategorie zu sehen. Schließlich sollen Anleger Äpfel mit Äpfeln vergleichen können. Vergleichsgruppen sind die bereits weithin bekannten Morningstar-Fondskategorien. Dass unser Sustainability Rating dieser Systematik folgt, hängt damit zusammen, dass auch Anleger, die nachhaltig investieren wollen, in aller Regel diversifizierte Portfolios aufbauen wollen. Deswegen sind unsere Kategorien hoch relevant für die Anlagepraxis.

Wer bewertet die Fondsinvestments?

Wir arbeiten mit dem Analysehaus Sustainalytics zusammen, das auf die Erstellung von Nachhaltigkeits-Ratings spezialisiert ist. Sustainalytics ist unabhängig und agiert weltweit. Es beschäftigt 250 Mitarbeiter und prüft die Nachhaltigkeitsbilanz von rund 4.500 Unternehmen. Die Erkenntnisse von Sustainalytics aggregieren wir vermögensgewichtet für die Portfolios der Investmentfonds. Wir bewerten zum Start des Ratings rund 20.000 Fonds weltweit, die mehr als die Hälfte des in Publikumsfonds verwalteten Vermögens ausmachen.

Wie kommt es zu dieser Zahl?

Voraussetzung für ein Rating ist, dass wenigstens die Hälfte der Fondsinvestments von Sustainalytics unter die Lupe genommen wird. Staatsanleihen werden derzeit nicht in unseren Ratings berücksichtigt. Das heißt, dass wir beispielsweise Rentenfonds oder defensive Mischfonds mit jeweils mehr als 50 Prozent Staatsanleihen im Portfolio nicht bewerten. Wir prüfen allerdings, wie wir künftig auch Staatsanleihen einfließen lassen können. Dachfonds berücksichtigen wir vorerst nicht. Wir planen aber, auf Basis der Zielfonds-Ratings, Dachfonds künftig ebenfalls zu bewerten.