Templeton Growth Fund Der fünfte Fondsmanager beweist sich

Norman Boersma (Foto: Oliver Lepold)

Norman Boersma (Foto: Oliver Lepold)

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DAS INVESTMENT.com: Seit drei Jahren sind Sie für den Templeton Growth Fonds verantwortlich. Welche besonderen Veränderungen haben Sie in dieser Zeit vorgenommen?

Norman Boersma:
Wir haben 2011 ein deutliches Übergewicht zugunsten europäischer Aktien aufgebaut. Besonders Finanzinstitute haben wir gekauft. Abgebaut haben wir im Gegenzug US-Titel aus dem Konsum- und Technologiebereich.

DAS INVESTMENT.com: Aktien einzelner Finanzinstitute waren im Zuge der Krise geradezu ausgebombt. Sind solche Käufe dann noch value-orientiert, oder gehen Sie kurzfristig auf Schnäppchenjagd?

Boersma:
„Ausgebombt“ reicht nicht. Natürlich erscheinen Kurse und Bewertungen mitunter extrem günstig. Aber wir bleiben diszipliniert. Nur wenn wir einem Unternehmen auf Fünf-Jahres-Sicht eine signifikante Wertsteigerung zutrauen, investieren wir. Einzelne Unternehmen wurden zur Hälfte des von uns ermittelten Buchwerts gehandelt. Gleichwohl muss die Wachstums-Story intakt sein.

DAS INVESTMENT.com:
Politik und Zentralbanken haben die Börsen stark beeinflusst.

Boersma:
Solche Zeiten hat es immer mal wieder gegeben. Bleiben Sie da rational und beantworten Sie elementare Fragen ganz nüchtern. „Bricht der Euro-Raum auseinander?“ Nein, das war und ist unserer Ansicht nach Quatsch. Europäische Regierungen und die EZB haben aus rationalen Überlegungen heraus den Euroraum gestützt.

Politiker in Brüssel zahlen nicht, lassen dann ein Auseinanderbrechen zu, um dann noch mal richtig tief in die Tasche zu greifen. Bei der Euro-Rettung behält bislang die Vernunft die Überhand. Politiker können manches Mal sehr value-orientiert sein.

DAS INVESTMENT.com:
Kann man da als Stockpicker noch solide arbeiten?

Boersma:
Wenn Märkte unter dem Einfluss von Politik und Zentralbanken stehen, kommt es zu Verwerfungen nach unten wie nach oben – Unternehmen werden panikartig quasi im Kollektiv abgestraft oder aber auch gekauft. Diese Phase allgemeiner Panik war eine großartige Chance, die sich nicht jedes Jahr bietet.

DAS INVESTMENT.com:
Eine Entwicklung, die unmittelbar mit der Post-Lehman-Ära zusammenhängt.

Boersma:
Natürlich. Wenn die Märkte verrückt spielen und alle denken, dass die Welt untergeht, rücken Bewertungen in den Hintergrund. Da geht es nur um das Ausschalten von Risiko, also raus aus Aktien. Das ist nicht sonderlich wertorientiert. Doch wir haben in solchen Zeiten gute Laune. Aber das sind stets herausfordernde Zeiten. Dies gilt vor allem für Zukäufe, da wir diese den Investoren gegenüber begründen und sie dabei an Sir John Templetons Anlagephilosophie erinnern: „Investiere in Zeiten des größten Pessimismus.“

DAS INVESTMENT.com:
Zu den größten Positionen im Fonds gehören Sanofi und BNP Paribas. Sind Franzosen interessanter als Deutsche, etwa Merck oder die Commerzbank?

Boersma:
Wir haben auch Merck. Aber das kann man nicht vergleichen. Sanofi ist ein internationaler Riese. Merck ist klein.

DAS INVESTMENT.com: Sie habe ein Faible für Frankreich.

Boersma: Es gibt wohl kaum ein Land in Europa, um das Investoren schon seit einiger Zeit zumindest aus konjunktureller Sicht einen größeren Bogen machen. Wir schauen nur auf Bewertungen. Eine BNP hätten wir auch gekauft, wenn es eine österreichische Bank wäre.