Verrückt oder geniale Idee? Wann kommt der erste Bargeld-ETF?

Richard Woolnough managt unter anderm die M&G-Rentenfonds Corporate Bond Fund und Optimal Income Fund. | © Dirk Beichert

Richard Woolnough managt unter anderm die M&G-Rentenfonds Corporate Bond Fund und Optimal Income Fund. Foto: Dirk Beichert

Wenn Anleger Finanzwerte kaufen oder verkaufen, versuchen sie, wahrscheinliche Ergebnisse zu analysieren. Im Grunde dreht es sich um drei Hauptthemen:

  1. Wie hoch sind die potenziellen Kapitalzuwächse?
  2. Wie hoch ist das Verlustpotenzial?
  3. Welche Erträge generiert das Wertpapier?

Investitionsansatz muss überprüft werden

Dieser traditionelle Investitionsansatz muss überprüft werden, nachdem Anleiherenditen nun so dramatisch gefallen sind.

Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist das Abbilden realer Ergebnisse. Die unten dargestellte Grafik zeigt die Preisentwicklung einer deutschen Bundesanleihe mit einem Kupon von 0 Prozent und einer Fälligkeit im Jahr 2026, unter der Annahme verschiedener Renditeszenarien.

Nehmen wir eine aktuelle Rendite von Null und einen Preis von 100 an. Fallen die Zinsen nun um 4 Prozent, erhöht sich der Preis der Anleihe auf 151,9. Steigen die Zinsen um 4 Prozent, so fällt der Preis auf 67,8. Das theoretische Aufwärts- und Verlustpotenzial des Kapitals lässt sich grafisch darstellen. Da es sich um ein Wertpapier mit einem Nullkupon handelt, generiert das Papier während seiner Lebensdauer für den Anleger keine Erträge.

Mögliches Ertragsprofil für zehnjährige deutsche Bundesanleihen:

Quelle: M&G, Bloomberg, 2. September 2016

Barmittel für Investoren echte Alternative

Bei dem oben aufgezeigten Ansatz handelt es sich um die traditionelle Vorgehensweise, wie ein Anleger eine Anleihe analysieren würde. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass Barmittel für Investoren eine echte Alternative zu Anleihen darstellen können. Wenn ein Investor physisch Bargeld hält, weiß er, dass Zuwachs- und Verlustpotenzial jeweils Null sind und dass die durch Bargeld generierten Erträge Null sind. Bei Barmitteln handelt es sich also um eine Anlage mit absolut niedriger Volatilität, die für den Anleger jedoch keine Erträge generiert.

In der Vergangenheit stellten diese fehlenden Erträge den Vorteil von Anleihen gegenüber physischem Bargeld dar. Anleger entschieden sich gerne für die zusätzlichen Erträge und die möglichen Kapitalzuwächse und -verluste von Anleihen im Vergleich zu Barmitteln. Entwickelte Anleihenmärkte sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem die Erträge einer zehnjährigen deutschen Staatsanleihe und einem 100-Euro-Schein absolut identisch sind (Null) und der Renditevorteil für das Halten einer zehnjährigen Bundesanleihe verschwunden ist. Die potenziellen Kapitalzuwächse und -verluste, die sich durch das Halten einer Bundesanleihe ergeben können, existieren allerdings nach wie vor. Aufgrund des gegenwärtig niedrigen Renditeniveaus bin ich der Auffassung, dass das Aufwärtspotenzial für Bundesanleihen im Vergleich zu Barmitteln begrenzt ist.