Vertrieb und Asset Management Wie Deutschlands Fondsbranche wieder beim Endkunden punktet

In Deutschland können Investoren mehr als 7.000 Fonds von über 300 Fondsgesellschaften kaufen - der Löwenanteil entfällt auf Aktienfonds (Quelle FWW; Stand 10. April 2014)

In Deutschland können Investoren mehr als 7.000 Fonds von über 300 Fondsgesellschaften kaufen - der Löwenanteil entfällt auf Aktienfonds (Quelle FWW; Stand 10. April 2014)

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Der Ursprung der Industrialisierung liegt in Frankreich. Davon sind einige Historiker überzeugt. Am 20. Mai 1875 unterzeichneten 17 führende Industrienationen in Paris die Meter-Konvention, mit der sie sich auf einheitliche Normen für die wichtigsten Größen einigten.

Ohne diese Maßnahme wäre der Fortschritt auf der Strecke geblieben, weil national unterschiedliche Einheiten den globalen Handel sowie den wissenschaftlichen und technischen Austausch enorm erschwert hätten, meinen Experten.

Rund 140 Jahre später spielen einheitliche internationale Bestimmungen für Produkte und Dienstleistungen noch immer eine große Rolle. „Normen beeinflussen das Wirtschaftswachstum stärker als Patente oder Lizenzen“, so das Deutsche Institut für Normung (DIN).

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Den betriebs- und volkswirtschaftlichen Nutzen von Standardisierung beziffert die Behörde auf rund 17 Milliarden Euro pro Jahr. Kein Wunder, schließlich helfen einheitliche Standards, Produktionskosten einzusparen, eine gleichbleibende Qualität zu sichern und die Produkte transparenter und vergleichbarer zu machen.

Spätestens seit der Finanzkrise sind Transparenz und Vergleichbarkeit auch im Fondsgeschäft gefragt. Auch hier versucht der Gesetzgeber, diese unter anderem durch einheitliche Anforderungen an Produktinformationen herbeizuführen.

So schreibt die EU-Kommission den Fondsgesellschaften vor, wie sie ihre wesentlichen Anlegerinformationen – sogenannte Key Investor Information Documents (KIIDs) – gestalten müssen. Was in der Praxis durchaus auch Nachteile birgt.

„So ein KIID ist im Kern nicht mehr verständlich“, meint Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School of Finance & Management. Das liege unter anderem an den wenig kundenfreundlich formulierten Eigenschaften der Produkte.

Was damit gemeint ist, zeigt ein Experiment von Lutz Johanning. Der Professor am Lehrstuhl für Empirische Kapitalmarktforschung an der WHU und sein Mitarbeiter Maximilian Trossbach legten Versuchspersonen vier Arten von KIIDs gängiger Fonds vor: mit Risikoskala und -beschreibung, ohne Skala, aber mit Beschreibung, nur mit Skala und ganz ohne Risikoabschnitt.

Anschließend sollten die Probanden die Risiken der Fonds einschätzen. Und siehe da: Am weitesten daneben lagen jene mit der ausformulierten Risikobeschreibung. Selbst die Testpersonen ohne irgendeine Risikoklausel konnten die Risiken in der Tendenz besser sortieren. Am besten fanden sich jene zurecht, die Skala und Worte zu Hilfe hatten. An zweiter Stelle kamen schon die, die nur eine Skala zur Verfügung hatten.

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