Wachtendorf-Kolumne Topp, die Index-Wette gilt …

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Egon Wachtendorf, Chefredakteur DER FONDS

Es ist noch einige Börsentage hin bis zum Jahresschluss, aber eines erscheint losgelöst von allen Unwägbarkeiten der vergangenen Monate so gut wie sicher: Die einfachste Art und Weise, Geld zu investieren, wird auch 2016 wieder von Erfolg gekrönt sein. Ich spreche vom „Wunder-Portfolio“, als das es FAZ Online kürzlich einmal mehr beschrieben hat: die 50/50-Kombination aus einem ETF auf den MSCI World und einem europäischen Renten-ETF.

Vom Jahresanfang bis zum Stichtag 8. Dezember gerechnet steht ein solcher Mix für 2016 mit 4,8 Prozent im Plus. Über die vergangenen drei Jahre sind es 29,4 Prozent, über fünf Jahre 64,4 Prozent und über zehn Jahre 78,5 Prozent. Es gibt über jeden der genannten Zeiträume eine Reihe von Mischfonds, die ein höheres Ergebnis erzielten – aber nur eine Handvoll, die über alle vier Zeiträume besser waren. Dazu gehören unter anderem der Loys Global MH, der First Eagle Amundi International und der Multi Opportunities III. Aber werden sie es auch in Zukunft sein?

Prognosen für die Zukunft zu treffen war vermutlich noch nie so schwierig wie zum Ende dieses verrückten Jahres. Die Börse verhält sich im Nullzins-Umfeld völlig irrational – siehe ihre Reaktion auf den Brexit, auf die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten und nun auch auf den Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Auf eines lege ich mich jedoch fest: Die Kombination aus 50 Prozent MSCI World und 50 Prozent europäische Staatsanleihen wird in der nächsten Dekade ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit verlieren – weil es auf der Rentenseite statt stetigem Rückenwind Flaute und früher oder später Gegenwind geben wird.

Einen Vorgeschmack darauf hat die sich andeutende Zinswende in den vergangenen Monaten bereits geliefert: Seit Mitte September liegt der von FAZ Online zur Berechnung des Wunder-Portfolios herangezogene I-Shares Euro Aggregate Bond mit knapp 3,5 Prozent im Minus. Da mag von der Aktienseite noch so viel kommen, am Ende fehlen diese Prozente in der Abrechnung. Wetten, dass?

Zu jeder Wette gehört ein Einsatz, hier ist meiner: Ich liefere dem ersten, der einschlägt und dagegenhält, eine Kiste Champagner frei Haus – wenn am 31. Dezember 2026 das FAZ-Online-Wunder-Portfolio über die vorangegangenen zehn Jahre ein besseres Ergebnis liefert als ein 50/50-Mix der beiden derzeit volumenstärksten Mischfonds mit deutscher Vertriebszulassung, dem Carmignac Patrimoine und dem Nordea Stable Return. Sicher gibt es ausgefeiltere Kombinationen, aber den Index schlagen Anleger mit diesem Grundpaket allemal.

Um nicht den Eindruck zu erwecken, ein ETF-Hasser zu sein: Es sollte auch mit einem rein indexbezogenen Duo klappen, und zwar einem Mix aus dem Comstage Commerzbank Bund-Future Short und dem Dimensional Global Targeted Value Fund EUR. Wobei ich persönlich allen Kostennachteilen zum Trotz auf der Value-Seite einen aktiv gemanagten Fonds bevorzugen würde. Anregungen zu diesem Thema finden Sie in unserer Rubrik Musterdepots.

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