Dickes Tortenstück zum Geburtstag Warren Buffett setzt auf US-Großbank

Warren Buffet und BofA-CEO Brian Moynihan auf dem Podium der Georgetown-Universität in Washington, D.C: Berkshire Hathaway ist bei der Bank of America jetzt größter Aktionär. | © Getty Images

Warren Buffet und BofA-CEO Brian Moynihan auf dem Podium der Georgetown-Universität in Washington, D.C: Berkshire Hathaway ist bei der Bank of America jetzt größter Aktionär. Foto: Getty Images

Zuletzt hatte er sich in großem Stil bei US-Fluglinien eingekauft, jetzt haben ihn neue Chancen im Bankensektor gelockt: Investment-Legende Warren Buffett macht sich zur Vollendung des 87. Lebensjahres ein besonderes Geschenk. Mittels seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway steigt er zum größten Anteilseigner der Bank of America (BofA) auf. Die Bank ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 250 Milliarden US-Dollar (209,2 Milliarden Euro) das bedeutendste Kreditinstitut der Vereinigten Staaten. Wie die BofA mitteilte, hat Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway Optionen zum Kauf von 700 Millionen BofA-Anteilsscheinen ausgeübt.

Der Zeitpunkt scheint auf den ersten Blick nicht gut gewählt: Nach einem Rücksetzer im Jahr 2016 bewegen sich die BoFA-Aktien aktuell auf hohem Niveau mit minimaler Aufwärtstendenz. Dennoch hat die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, an der Buffett immer noch 38,2 Prozent der Berkshire-A-Aktien hält, zugegriffen. Auf der Grundlage des Options-Geschäfts wurden die Papiere zu jeweils 7,14 US-Dollar (5,98 Euro) erworben – der aktuelle Börsenpreis der Aktie steht bei rund 23,50 US-Dollar (19,80 Euro). Berkshire Hathaway kontrolliert mit dem Zukauf ab sofort 6,6 Prozent der Anteile der US-Großbank.

Aussicht auf Kurssteigerungen von Banktiteln lockt

Noch wichtiger als der noch größere Einfluss auf BofA dürften für Buffett jedoch die mittelfristigen Aussichten auf Kurssteigerungen der Aktie sein. Buffet, der sein erstes Wertpapier mit 11 Jahren kaufte (IBM), wittert höhere Leitzinsen in den USA – und damit bessere Geschäfte der Banken, deren Margen sich durch steigende Zinsen erhöhen.

Zwar kommt die US-Notenbank nicht so rasch wie gewünscht auf dem Zinspfad voran. Doch für viele Markteilnehmer ist klar, dass die Zinsen angesichts des boomenden US-Arbeitsmarkts und der zumindest leicht anziehenden Inflation steigen dürften. Derzeit liegen die US-Leitzinsen in einer Spanne zwischen 1,00 und 1,25 Prozent. Die jüngste Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte hatten die Währungshüter um Janet Yellen Mitte Juni vorgenommen – vierter Zinsschritt seit der Finanz- und Wirtschaftskrise. Mit der nächsten Anhebung rechnen die Märkte im Dezember. Den jüngsten Zinsprognosen der Federal Reserve zufolge sollen vier weitere Zinsanhebungen bis Ende 2018 erfolgen. Die Finanzmärkte, etwas weniger optimistisch gestimmt, gehen im kommenden Jahr von ein bis zwei Anhebungen aus.  

US-Zinsen könnten bis Ende 2019 auf 3,5 Prozent steigen

Dennoch bewegt sich etwas im US-Zinsgefüge. Daniel Kröger, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Acatis, „beste Fondsboutique 2016“ („Private Banker“), verweist in einem aktuellen Interview auf www.multiasset.com auf Jan Hatzius, Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs: „Auf dem jährlichen Finanzmarktausblick der Bank in Frankfurt hat Hatzius gute Gründe für weitere Leitzinssteigerungen genannt: Die US-Zinsen könnten bis Ende 2019 3,5 Prozent erreichen“, so Kröger.

Auch Warren Buffett schätzt die tiefgründigen Marktanalysen der führenden Investmentbank Goldman Sachs (GS), die deren hauseigenen Geschäften nicht von ungefähr zuträglich sind: Buffett hält GS-Aktien im Wert von 2,4 Milliarden US-Dollar (2 Milliarden Euro) – viertgrößte Position bei seinen Bankeninvestments in den USA, nach BNY Mellon mit 2,6 Milliarden US-Dollar (2,2 Milliarden Euro).  

Wells Fargo wurde von Buffett zuletzt „abgestraft“

Kleinere Abstriche hat Buffett zuletzt allerdings beim Geldhaus Wells Fargo gemacht, zweitgrößte Banken-Position von Berkshire Hathaway. Die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte US-Bank war im Zuge eines Skandals um Millionen Phantom-Konten in die Schlagzeilen geraten. Doch die Aktienverkäufe des Großinvestors dürften hier nur eine erzieherische Wirkung als Ziel haben – die Position wurde lediglich um 2 Prozent heruntergefahren.

Dass Buffett das Gemeinwesen und der soziale Zusammenhalt sehr am Herzen liegt, stellt er immer wieder mit Spenden an gemeinnützige Organisationen unter Beweis. Den ganz großen Kuchen will Buffett allerdings erst nach seinem Ableben verteilt wissen: Den Großteil seines Vermögens hat Buffett für die Zeit nach seinem Tod gemeinnützigen Zwecken vermacht. Für Charity-Institutionen ist dank Buffet dann jeden Tag Geburtstag.