„Wenn man nur Werbebotschaften vermittelt, interessiert das keinen“

Social Media Experte Martin Müller

Social Media Experte Martin Müller

// //

DAS INVESTMENT.com: Seit wann nutzen Sie Social Media?

Martin Müller: Ich war eines der ersten Mitglieder bei Xing, damals noch Open BC. Das war im September 2003, noch vor der Social-Media-Blase, und ich habe es zu dem Zeitpunkt auch nur hobbymäßig genutzt. Erst seit 2004, 2005 nutze ich Xing auch für berufliche Zwecke, weil ich gemerkt habe: Ohne Social Media ist es schwierig, beruflich voran zu kommen.

DAS INVESTMENT.com: Bei wie vielen Plattformen sind Sie aktiv und welche nutzen Sie am häufigsten?

Müller: Ich bin bei ungefähr 20 Plattformen mit Profil vertreten. So richtig aktiv nutze ich aber nur zwei bis drei pro Tag. Bei allen anderen bin ich nur registriert, um gesehen und gefunden zu werden. Dabei steht Xing bei mir an erster Stelle, da ich es viel für berufliche Kontakte nutze. Als zweites Facebook. Bei diesen beiden bin ich wirklich regelmäßig aktiv. Dicht gefolgt von Twitter und Google Plus. Dann gibt es noch die zwei Bewertungsportale whofinance.de und censum.de. Dort lasse ich mich als Finanzmakler von meinen Kunden bewerten und anfragen. Nach meiner Einschätzung sind diese  beiden Portale die für die Finanzbranche wichtigsten Stationen im Bereich Social Media – denn von dort kommen  konkrete Kundenanfragen.

DAS INVESTMENT.com: Wie viele Anfragen bekommen Sie über die Bewertungsportale?

Müller: Im Schnitt sind das vier bis sechs Kundenanfragen pro Monat.

DAS INVESTMENT.com: Wie messen Sie ihren Erfolg?

Müller: Vor allem natürlich an meinen Kontakten bei Facebook und Xing. Über Xing kommen jeden Tag fünf bis acht Kontaktanfragen rein. Aber da gehe ich anders vor als zum Beispiel bei Facebook. Ich schaue mir an, wer meine Seite besucht hat und wenn das ein interessanter Mensch ist, dann schicke ich eine E-Mail und schreibe, dass ich mich über eine Kontaktanfrage freue. Tatsächlich will dann fast jeder Zweite auch mein Kontakt werden.

DAS INVESTMENT.com: Wie sorgen Sie für die tägliche Präsenz?

Müller: Ich moderiere zum Beispiel die Kölner Xing-Regionalgruppe. Die hat nun mehr als 55.000 Mitglieder. Dort machen wir einmal pro Monat einen Newsletter oder veranstalten ein Event. Ansonsten schreibe ich viele Einträge in Gruppen und hinterlasse bei jedem Internetauftritt Links zu meinen diversen anderen Profilen. So erlange ich einen gewissen Bekanntheitsgrad.

Apropos Bekanntheit, dazu gibt es eine kleine Anekdote: Letztes Jahr wurde ich in der Kölner Innenstadt von einem Mann angesprochen, ob ich nicht der Martin Müller von Xing sei. Ich antwortete mit ja und fragte ihn, wer er denn sei. Es stellte sich heraus, dass der Mann einer meiner Xing-Kontakte war und obendrein der Geschäftsführer einer Werbeagentur drei Häuser weiter. Wir verabredeten uns zum Mittagessen und heute kümmere ich mich um seine komplette betriebliche Altersvorsorge. Im Gegenzug erstellte er meinen kompletten Internetauftritt für meine Agentur Müller Consult.

DAS INVESTMENT.com: Wo sehen Sie Risiken?

Müller: Für mich persönlich sehe ich keine, aber natürlich bestehen gewisse Gefahren. Im Falle einer Fehlberatung kann es passieren, dass mich jemand öffentlich kritisiert. In so einem Fall empfehle ich jedem, offen damit umzugehen. Wenn man seine Fehler zugibt und als Entschädigung zum Beispiel einen Gutschein verschenkt, kann man eine Kritik auch wieder ins Positive drehen. Denn Fehler sind menschlich und das wird auch der Kunde so sehen. Da ist es doch viel schlimmer, wenn ein Kunde hinter meinem Rücken schlecht über mich redet und ich darauf gar keine Einflussmöglichkeiten habe.