Christoph Fröhlich
29.01.2023

Alternatives Investment Wie man mit Lego-Sets Geld verdient und warum sie lukrativer als Gold sind

Mit Lego kann man nicht nur spielen, sondern auch nachhaltig Rendite erwirtschaften alt
Mit Lego kann man nicht nur spielen, sondern auch nachhaltig Rendite erwirtschaften
© Imago Images / Future Image

Wer sein Geld langfristig anlegen will, setzt in der Regel auf eine Mischung aus Aktien, Anleihen und anderen Wertpapieren – gegebenenfalls in Form von Fonds und ETFs. Dabei gibt es noch viel mehr Wege, sein Geld zu vermehren und gleichzeitig das Verlustrisiko zu minimieren – etwa mit dem Kauf von Lego-Sets.

Lego? Das Spielzeug?

Ganz genau.

Sein Geld in Spielzeug anzulegen, klingt zunächst wie ein Witz. Doch Ökonomen der HSE Universität in Russland haben sich genauer mit dem Thema alternative Anlageformen beschäftigt und dabei festgestellt, dass Lego-Sets eine durchschnittlichen Rendite von 11 Prozent pro Jahr verzeichnen – und damit schneller im Wert steigen als Gold, Aktien oder Anleihen.

Dabei handelt es sich um keine kurzfristige Betrachtung. Für die Studie wurde die Preisentwicklung von 2322 Lego-Sets in den Jahren 1987 bis 2015 analysiert. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift Research in International Business and Finance.

Lego behauptet sich neben Antiquitäten und Schmuck

Der Trend ist nicht ganz neu. Das US-Portal Bloomberg bezeichnete Lego-Sets bereits vor 2019 als „the hot new asset class“, also „die heiße neue Geldanlageklasse“. Das liegt nicht nur an üppigen jährlichen Wachstumsraten bis in den zweistelligen Bereich, sondern auch an ihrer Robustheit. Denn der Wert von Lego-Sets korreliert nicht zwangsläufig mit dem Aktienmarkt.

Heißt: Wenn es an den Märkten wackelt, bleiben Lego-Sets von den Turbulenzen weitgehend unberührt. Damit können sie ein guter Baustein zur Diversifikation des Portfolios sein.

Lego-Sets können interessant für eine langfristige Geldanlage sein, wie dieser Graph zeigt.
Lego-Sets können interessant für eine langfristige Geldanlage sein, wie dieser Graph zeigt. © sciencedirect.com/HSE / Grafik: dasinvestment.com

Doch warum verzeichnet ein Kinderspielzeug überhaupt solche Wachstumsraten?

Es ist die Verbindung aus limitierter Verfügbarkeit, einem wachsenden Geschäft mit Auktionsplattformen und einer Marke, die seit Jahrzehnten die Massen begeistert.

„Wir sind daran gewöhnt, dass Menschen Gegenstände wie Schmuck, Antiquitäten oder Kunstwerke als Investition kaufen“, sagt Victoria Dobrynskaya, außerordentliche Professorin an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der HSE und eine der Autorinnen der Studie. „Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, zum Beispiel Sammlerspielzeug.“ 

So würden auf dem Lego-Zweitmarkt Zehntausende von Verkäufen pro Jahr getätigt werden. Selbst wenn man die geringen Preise der meisten Sets berücksichtige, „handelt es sich um einen riesigen Markt, der bei den traditionellen Anlegern nicht sehr bekannt ist“, so Dobrynskaya.

Darum sind einige Lego-Sets so teuer

Was heißt das nun? Ab in den Lego-Store, ein beliebiges Lego-Set kaufen, ein paar Jahre liegen lassen und dann fette Renditen einstreichen? Ganz so einfach ist es leider nicht. 

Denn nicht jedes Lego-Set ist automatisch ein gutes Investment. Damit es zum Renditebringer wird, müssen mehrere Faktoren berücksichtigt werden, etwa der Zustand. Generell gilt: Originalverpackte Lego-Sets haben das größte Wertzuwachspotential, gebrauchte und bereits geöffnete Sets werden mit deutlichen Abschlägen gehandelt.

Vor allem aber wirken sich Produktionsauflage und Thema auf die Preise aus. „Sets, die vor 20 bis 30 Jahren produziert wurden, machen Lego-Fans nostalgisch und die Preise für sie gehen durch die Decke“, erklärt Dobrynskaya. Um die Nuancen des Marktes und das Investitionspotenzial eines bestimmten Sets zu erkennen, müsse man schon tief in der Materie stecken.

Der HSE-Studie zufolge beginnen die Preise in der Regel zwei bis drei Jahre, nachdem ein Set vom Markt genommen wurde, zu steigen. Die Renditen schwanken dabei stark, von wenigen Prozent bis zu einem Zuwachs von 600 Prozent jährlich.

Fakten über Lego als Geldanlage
Fakten über Lego als Geldanlage © dasinvestment.com

Diese Lego-Sets sind am teuersten

Interessant: Die Preise für kleine und sehr große Sets steigen der Studie zufolge schneller als die Preise für mittelgroße Sets. Einer der Gründe könnte sein, dass kleine Lego-Sets häufig einzigartige Teile oder Figuren enthalten, während große Sets in kleinen Mengen produziert werden und für Erwachsene attraktiver sind.

Am stärksten legten im historischen Vergleich die Preise für thematische Sets zu, die berühmten Gebäuden, beliebten Filmen oder saisonalen Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten gewidmet sind.

Blickt man auf die verkauften Lego-Sets auf Sekundärmarkt-Plattformen wie Ebay, gehören der Millennium Falcon (Star Wars), Café Corner (Lego Creator Expert Modular Building), das Taj Mahal, der Todesstern II (Star Wars) und der imperiale Sternenzerstörer (Star Wars) zu den gewinnträchtigsten Modellen.

Zu den teuersten Lego-Sets zählen:

  • Ole Kirks Haus
  • Piper Airplane
  • H.C. Andersen’s Clumsy Hans (2015 Limited Edition)
  • Lego Star Wars Cloud City (2003 Limited Edition)
  • Lego Cars (2010 Limited Edition)
  • 4000001-1 LEGO Moulding Machines
  • LEGO Command Center (1979)

Je seltener, desto teurer

Eine weitere, aus Investitionssicht attraktive Kategorie sind Lego-Sets, die in limitierter Auflage erschienen sind oder als Goodies bei Werbeveranstaltungen verteilt wurden. Die Seltenheit erhöht ihren Wert.

Auf Portalen wie brickpicker.com (englischsprachig) kannst du dich über potenzielle Renditebringer aus dem Hause Lego informieren. Dort findest du in einer Übersicht alle Informationen zu demnächst auslaufenden und neuen Lego-Sets.

Um ein Gefühl für die mögliche Preissteigerung zu bekommen: Das Lego-Set „Black Pearl“ (Nummer 4184) zur beliebten Filmreihe „Fluch der Karibik“ ist einer der Rendite-Champions. Der Grund: Die Figur Davy Jones war exklusiv in diesem Set erhältlich. Im Handel kostete das Set unter 100 Euro, originalverpackt geht es auf Ebay & Co. mittlerweile im gebrauchten Zustand für mehr als 300 Euro über den Tisch. Originalverpackt knackt es sogar die 1000-Euro-Marke. Allein die Figur Davy Jones kostet mehr als 100 Euro.

Nicht schlecht, für ein paar Gramm Plastik, oder?

Davy Jones aus der "Fluch der Karibik"-Reihe: Mit solchen Lego-Figuren lässt sich gut Geld verdienen

Investieren in Lego – das musst du beachten

Wenn du mit Lego Geld verdienen möchtest, solltest du auf folgende Punkte achten:

  • Kaufe nur neue, originalverpackte Lego-Sets – gebrauchte Sets erzielen eine viel geringere Rendite
  • Kaufe nicht blind irgendwelche Sets, sondern halte gezielt nach limitierten Sammler-Editionen und zeitlich begrenzt erhältlichen Lego-Sets Ausschau
  • Lagere die Sets trocken, kühl und vor der Sonne geschützt
  • Die Größe des Sets – also die Anzahl der Steine - ist nicht relevant für die Rendite

Fokus auf alternative Assets

Einer Umfrage von Barclays zufolge investieren reiche Menschen ungefähr 10 Prozent ihres Vermögens in Schmuck, Kunst, Antiquitäten, Sammlerweine oder Autos, ergänzend zu traditionellen Anlagen in Aktien oder Fonds. In Regionen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und China sind es sogar noch deutlich mehr.

In den vergangenen Jahren zogen aber auch viele weitere Anlageklassen das Interesse von professionellen Investoren auf sich – etwa Sneaker, Pokémon-Sammelkarten, Modellautos und -eisenbahnen, Barbie-Puppen, Rum sowie Whisky und eben Lego-Sets.

In Lego investieren - die Risiken

Auch wenn man mit dem Kauf und Verkauf von Lego-Sets in kurzer Zeit vergleichsweise viel Rendite erzielen kann, bestehen natürlich auch Risiken. Das größte Risiko ist, dass die dänische Marke Lego an Charme einbüßt und die treue Fangemeinde weltweit kleiner wird. Weniger Fans macht weniger Sammler macht weniger Rendite.

Angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen seit vielen Jahrzehnten am Markt ist und wachsende Umsätze erzielt, ist das zumindest kurz- bis mittelfristig aber eher unwahrscheinlich. 

Ein weiteres Risiko ist, dass Lego seine Produktionspolitik ändert und bereits vergriffene Sets (in der Fachsprache als EOL bekannt, die Abkürzung steht für End-of-Life) dadurch wieder verfügbar werden. Wirtschaftlich wäre dieser Schritt für Lego jedoch nicht sinnvoll, da der Hype um einige Sets auch die Marke positiv auflädt. Insofern ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich.

Eine allgemeine Wirtschaftskrise würde sich ebenso negativ auf den Handel mit Lego-Sets auswirken. Schließlich würden viele Investoren ihr Geld für andere Zwecke benötigen und im Zweifel aus alternativen Anlageklassen abziehen.

Investieren in Lego und Steuern

Wie bei allen Investments muss man auch beim Verkauf von Lego-Sets die Steuern bedenken. Eine pauschale Regel gibt es nicht. Wer etwa versehentlich ein Set doppelt gekauft hat und eine der Boxen mit Gewinn bei einer Plattform wie Ebay Kleinanzeigen verkauft, muss sich in der Regel nicht allzu viele Gedanken machen. Verkauft man als Privatperson die gesammte Lego-Sammlung auf einmal an einen Käufer und zwischen Kauf und Verkauf liegt mindestens ein Jahr , gilt das als Sammlungsauflösung und ist damit nicht einkommensteuerpflichtig.

Anders sieht es aus, wenn man Investments in Lego im größeren Stil aufzieht. Wer Schmuck oder Sammlergegenstände (wie etwa originalverpackte Lego-Sets), die nicht dem täglichen Gebrauch zugeordnet werden, innerhalb eines Jahres weiterverkauft, muss den Gewinn in der Steuererklärung angeben - jedenfalls dann, wenn die Freigrenze von 600 Euro im Jahr nicht überschritten wird.

Wer regelmäßig Lego-Sets auf Auktionsplattformen verkauft, sollte sich daher in puncto Steuern unbedingt professionell beraten lassen.

Zur Marke Lego

Der dänische Spielzeughersteller Lego wurde 1932 gegründet und produziert seit mehr als 80 Jahren die ikonischen Kunststoff-Klemmbausteine. Das Wort Lego leitet sich vom dänischen leg godt („spiel gut“) ab. Wirtschaftlich geht es dem Unternehmen blendend, im Jahr 2021 lag der Umsatz dem Jahresbericht zufolge bei rund 7,4 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 waren es noch 5,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen befindet sich also auf Wachstumskurs. Damit dürfte Lego als Geldanlage weiterhin zumindest mittelfristig interessant sein.

Ein Erfolgsfaktor des Unternehmens: Lego besitzt zahlreiche Markenrechte und darf offizielle Figuren aus dem Harry Potter-, Star Wars-, Nintendo- und Marvel-Universum auf den Markt bringen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das Lego von vielen Nachahmern abgrenzt. Zudem übertrumpft das Unternehmen immer wieder die Erwartungen der Fans - sowohl was Ideen als auch die Größe einiger Set angeht. Das bisher größte LEGO-Set ist eine Weltkarte, die in verschiedenen Varianten zusammengebaut werden kann. Die lego-Weltkarte besteht aus 11.695 Teilen, wodurch sie mehr als einen Meter lang ist.

Das Unternehmen Lego ist nicht börsennotiert, man kann als Privatanleger also keine Aktien beziehungsweise Unternehmensanteile erwerben.

Wie hat dir der Artikel gefallen?

Danke für deine Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
Nächste Schritte
02 | Wie finde ich die passenden Titel?
...
Wie man mit Lego-Sets Geld verdient und warum sie lukrativer als Gold sind
Welche Vorteile bieten Investments in Cat-Bonds?
Was bei Investments in kleinere Unternehmen zu beachten ist
Schützen Aktien wirklich vor Inflation?
Fonds, ETFs, REITs: So kannst du in Immobilien investieren
...
Zur kompletten Übersicht
Auch interessant
Open-Air-Festivals im Preisvergleich Bei diesen Festivals sind die Preise über zehn Jahre am meisten gestiegen
Sommerzeit ist Festivalzeit. Wir haben uns angeschaut, wie sich die Ticketpreise der ...
Morningstar-Ranking Das sind die sechs besten ETFs für globale Aktien
Global investierende Aktien-ETFs sind bei europäischen Anleger:innen äußerst gefragt. Doch welche ETFs ...
Comeback der Techs Diese Aktien treiben den Nasdaq-100-Index an – und diese nicht
Die Börsen befinden sich im Rally-Modus. Angeführt wird der Aufschwung von den ...
Mehr zum Thema
Die Champagnerkorken knallen
ETF der Woche Luxus-ETF: Glanz und Glamour für’s Depot
Die Luxusbranche fährt seit Jahren hohe Umsätze ein. Doch lohnt sich der ...
NFT-Affen auf einem Smartphone-Bildschirm
Experte von Gam Investments zu digitalen Token „Der Wettbewerb bei NFTs wird intensiver“
Unterstützt durch den zunehmenden Wettbewerb am Markt, gewinnen NFTs wieder an Popularität ...
Ein Dieb vor einem Tresor
Tipps vom Experten Betrugsmaschen aufdecken: So erkennst du unseriöse Finanzdienstleister
Die Betrugsmaschen rund ums Thema Geldanlage häufen sich: Ob über Whatsapp-Gruppen, Telefon ...
Jetzt Newsletter abonnieren
Hier findest du uns