22 Fragen an Raphael Lüscher „Für eine Briefmarkensammlung bin ich schon zu verheiratet“

Raphael Lüscher, Manager des Swisscanto Equity Fund Green Invest Emerging Markets

Raphael Lüscher, Manager des Swisscanto Equity Fund Green Invest Emerging Markets

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1. Ihre erste prägende Erfahrung zum Thema Geld?

"Wenn Du den Rasen mähst, bekommst Du ein Eis." – Das war zwar nur ein Tauschhandel, doch für einen jungen Buben wie mich Gold wert

2. Wie haben Sie Ihr Studium finanziert?

Ich hatte das Glück, während der ganzen Schulzeit von meiner Familie finanziell unterstützt zu werden. Dafür bin ich sehr dankbar. Um aber auch einen Teil beizutragen, habe ich in den Semesterferien und in einem Zwischenjahr verschiedene Praktika absolviert

3. Haben Sie ein berufliches Vorbild?

Ich idealisiere niemanden. Mich beeindrucken aber Investment-Persönlichkeiten, die in der Lage sind, komplexe Vorgänge einfach zu erklären, eine klare Linie haben und diese dann auch konsequent durchziehen. Von denen kann man einiges lernen. Warren Buffett gehört beispielsweise dazu

4. Die unsinnigste Börsen-Theorie, die Ihnen je untergekommen ist?

Grundsätzlich sind ja alle Theorien und Hypothesen interessant, weil sie zum Nachdenken anregen. Die Markteffizienz-Theorie von Eugene Fama ist meiner Meinung nach aber sicher irgendwo ganz oben auf der Liste der unsinnigsten Theorien zu finden

5. Welches Buch sollte jeder Fondsmanager gelesen haben?

Drei Bücher: Security Analysis von Benjamin Graham und David Dodd, Margin of Safety von Seth A. Klarman und Moneyball von Michael Lewis. Letzteres hat mehr mit Portfoliomanagement als mit Baseball zu tun

6. Wie motivieren Sie sich, wenn Sie mit Ihrem Fonds einmal hinter der Konkurrenz zurückbleiben?

Als erstes suche ich verzweifelt einen Fonds, der noch schlechter abgeschnitten hat oder schiebe die Schuld auf den Markt und irgendwelche Zentralbanken. Wenn all diese Optionen erschöpft sind und mir schon das ganze Vertriebsteam auf den Füßen steht, versuche ich einfach ruhig zu bleiben und meine Arbeit mit dem Team weiter diszipliniert und gewissenhaft durchzuführen. Wir alle sind von unserem Fondskonzept überzeugt und verstehen uns auch eher als Marathonläufer und nicht als Sprinter. Deshalb wirft uns eine kurzfristige Underperformance auch nicht aus dem Konzept

7. Und die Belohnung, wenn Sie alle anderen abgehängt haben?

Mir ist dann meistens nicht zum Feiern zumute. Ich gerate eher ein bisschen in Panik, denn ich weiß, dass es irgendwann einmal wieder schlechter gehen kann

8. Ihr bislang schönstes Erlebnis als Fondsmanager?

Paradoxerweise hatte ich eines der schönsten Erlebnisse im Herbst 2008, also in einer Phase geprägt von großer Unsicherheit und massiven Kursverlusten an der Börse. In der schwierigen Zeit sind wir als Team näher zusammengerückt. Wir haben bis spät in die Nächte hinein gearbeitet und uns mit unserem Einsatz zum Wohle unserer Kunden gegenseitig motiviert

9. Worüber haben Sie sich in jüngster Zeit so richtig geärgert?

Über mich selbst. Nach einer Kundenpräsentation hat mir ein Kunde zu verstehen gegeben, dass er enttäuscht ist, dass wir mit unserem Fonds die Benchmark geschlagen haben. Er erwarte von einem nachhaltigen Anlagefonds eigentlich eine schlechtere relative Rendite. Da muss ich noch etwas an meiner Verkaufsstory verbessern

10. Und wem würden Sie gern einmal gehörig die Meinung sagen?

Ich halte es da wie Kurt Tucholsky: Das Ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen

11. Was sammeln Sie?

Für eine Briefmarkensammlung bin ich schon zu verheiratet, für Luxusuhren fehlt mir die Zeit und von Kunst habe ich keine Ahnung. Es bleibt somit bei schönen Erinnerungen, die das Leben so bringt, und den Kunstwerken meiner Kinder, die sie aus der Schule mitbringen. Das sind natürlich sowieso die schönsten