64 Fonds im Crashtest Die besten Fonds für deutsche Aktien

Deka-Hauptsitz in Frankfurt: Der Deka Dax-Plus Maximum Dividend ETF sammelt fleißig Performance-Punkte und verbessert sich im Gesamtranking auf den 7. Platz. Foto: Getty Images

Deka-Hauptsitz in Frankfurt: Der Deka Dax-Plus Maximum Dividend ETF sammelt fleißig Performance-Punkte und verbessert sich im Gesamtranking auf den 7. Platz. Foto: Getty Images

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Auch wenn es faktisch keine Zinsen mehr gibt, bleiben deutsche Privatanleger dem Aktienmarkt weitgehend fern. Das bestätigen unter anderem Zahlen der Beratungsgesellschaft Ernst & Young aus dem vergangenen Jahr, denen zufolge 56 Prozent aller ausgegebenen Anteilscheine deutscher Großkonzerne in den Depots ausländischer Investoren liegen. Der Rest verteilt sich zu großen Teilen auf heimische Versicherungen und institutionelle Investoren. Zu groß scheint die Angst bei Privatanlegern vor den ständigen Rückschlägen zu sein.



Das Nein der Briten zur EU hat jüngst auch den deutschen Leitindex Dax erneut abstürzen lassen, nachdem er sich in den Vormonaten wieder mühselig an die wichtige Schwelle von 10.000 Punkten herangetastet hat. Politische Börsen haben jedoch kurze Beine, denn das Referendum der Briten haben die Märkte wohl bereits wieder abgehakt.

Die besten Fonds für deutsche Aktien

  Fonds Punkte
Gesamt
Pkt.
Perfor-
mance
Pkt.
Stress-
test
Pkt.
Rating
Vol. in
Mio. €
1 Acatis Aktien Deutschland ELM 248 91 93 64 178
2 DB Platinum IV Platow 224 96 58 70 110
3 DWS Aktien Strategie Deutschland 197 80 30 87 3186
4 Fidelity Germany Fund 195 55 75 65 1135
5 Main First Germany Fund 190 80 33 77 180
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Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 6. Juli 2016), Wertentwicklung auf Euro-Basis
Quelle: Sortierkriterium: Punkte Gesamt, Quelle: Testverfahren DER FONDS, Berechnung und Daten: FWW Fundservices GmbH (Stichtag: 6. Juli 2016), Wertentwicklung auf Euro-Basis


Die Aktienindizes konnten sich jedenfalls von dem Schock gut erholen. Christoph Frank, Berater des Performance-Siegers DB Platinum IV Platow, bringt die aktuelle Marktsituation auf den Punkt: „Nach wie vor fehlt am deutschen Aktienmarkt ein klarer und belastbarer Trend. Von neuen Allzeithochs wie bei wichtigen US-Indizes ist hierzulande nichts zu sehen.“

Die Unsicherheit am deutschen Markt wird Frank zufolge wohl noch bis mindestens zur US-Präsidentschaftswahl anhalten. Danach sollten aber die ökonomischen Variablen wieder ein stärkeres Gewicht bekommen: „Vielleicht setzt sich dann auch die Erkenntnis durch, dass deutsche Aktien im Durchschnitt nicht hoch bewertet sind, erst recht nicht im Vergleich zu Anleihen.“

Unter dem Strich bleibt für die meisten Deutschland-Aktienfonds seit dem vorangegangenen Crashtest zu Jahresbeginn ein unerfreuliches Minus. Das Siegerpodest in der Gesamtauswertung belegen weiter unangefochten der Acatis Aktien Deutschland ELM und der DB Platinum Platow IV.

Von Platz 5 auf Platz 3 verbessert hat sich der DWS Aktien Strategie Deutschland. Das von Henning Gebhardt betreute Schwergewicht (3,2 Milliarden Euro) ist jedoch seit einigen Monaten für neue Gelder geschlossen. Nur so kann Gebhardt seine erfolgreiche Anlagestrategie aufrechterhalten und auch Nebenwerte für den Fonds berücksichtigen, die in der Vergangenheit maßgeblich zur Über-Rendite gegenüber den Indizes beigetragen haben.

Mehr Punkte als beim letzten Crashtest heimste er allerdings nicht ein, die Konkurrenz rutschte eher ab. So hat sich Matthias Born mit dem von ihm betreuten Concentra aus den Top-3 verabschiedet und muss sich durch Punktabzüge bei der Performance-und Stresstest-Auswertung mit Platz 8 zufrieden geben.

Freuen kann sich dagegen die Sparkassentochter Deka. Der Deka Dax-Plus Maximum Dividend ETF sammelte fleißig Performance-Punkte und verbesserte sich so im Gesamtranking vom 16. auf den 7. Platz. Der ETF besteht aus den 20 Unternehmen des H-Dax-Index, die innerhalb der jeweils bevorstehenden Anpassungsperiode des ETFs die höchste erwartete Dividendenrendite aufweisen.

Den Stresstest-Sieg holte sich zum wiederholten Male die Vermögensverwaltung Knoesel & Ronge. Sie berät den Aktienfonds Deutschland Spezial, der als einziger Fonds im Testfeld überhaupt ein hauchdünnes Plus für das laufende Jahr aufweisen kann.

Die drei Siegerfonds im Kurz-Porträt

Der Gesamtsieger: Acatis Aktien Deutschland ELM


Frank Lübberstedt ist mit seinem Ende 2002 aufgelegten Fonds zum dritten Mal in Folge Gesamtsieger des Crashtests. Dabei konnte der Geschäftsführer der Lübecker Vermögensverwaltung Ehrke & Lübberstedt den Punktevorsprung zu Platz 2 sogar noch etwas ausbauen.

Die Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen. Anleger der ersten Stunde können auf eine jährliche Performance von 12,8 Prozent zurückblicken. Damit zählt der Fonds auch über einen langen Zeitraum zu den besten Angeboten am Markt überhaupt und widerlegt eindrucksvoll die These, dass ein aktiver Manager seinen Markt langfristig nicht schlagen kann.

Lübberstedt investiert das mittlerweile 176 Millionen große Portfolio frei von Indexvorgaben hauptsächlich in den deutschen Mittelstand. „Viele Unternehmen aus diesem Bereich sind in ihren Nischenmärkten Weltmarktführer und können daher Schwächen des Binnenmarktes weitgehend kompensieren“ argumentiert er.

Im Schnitt ist nur jede fünfte Aktie in seinem Fonds ein Dax Konzern. Bei der Aktienauswahl geht er value-orientiert und antizyklisch vor. Wichtig sind ihm dabei der Blick auf Bilanzkennzahlen, das Geschäftsmodell und die Marktstellung eines Unternehmens. Mithilfe verschiedener Analysen versucht er vorherzusagen, wo ein Unternehmen in drei Jahren operativ stehen wird. Ist die Aktie demnach mindestens 30 Prozent unter Wert, steigt er ein.

Mit der Entwicklung im laufenden Jahr ist Lübberstedt nur bedingt zufrieden. Nachdem der Fonds 2015 mit 23 Prozent doppelt so stark wie der Vergleichsindex C-Dax performte, liegt er 2016 etwa 2 Prozentpunkte hinterher. Vor allem die aus Turnaround-Überlegungen heraus gekauften Titel Deutsche Bank und Bilfinger machen der Fonds-Performance zu schaffen. Sie sind mit einem Minus von 22 respektive 33 Prozent die Schlusslichter im Portfolio.

„Bei der Deutschen Bank ist ein Euro hartes Eigenkapital heute nur noch 30 Cent wert. Die Marktkapitalisierung von Bilfinger liegt unterhalb des Betrages, den man für den Verkauf des Gebäudemanagement-Segmentes bekommt“, erklärt Lübberstedt, warum er nach wie vor zum Kauf der beiden Problemaktien steht.

Exzellent entwickelt haben sich dagegen Qualitätstitel wie Nemetschek, Cancom oder Bechtle. Nach einem Managementwechsel kräftig aufgestockt hat Lübberstedt jüngst den Verkehrstechnologie-Konzern Vossloh. Verkauft hat er dagegen Rational, nachdem sich die Aktie nahezu verdoppelt hat und nun in der Nähe des berechneten fairen Werts notiert.

Während der Brexit-Turbulenzen hat Lübberstedt nur selektiv einzelne Positionen wie Münchener Rück aufgestockt. Auf Sektor-Ebene dominieren Industrietitel, die ein Fünftel des Portfolios stellen, gefolgt von den Sektoren Informationstechnologie (18 Prozent) und Finanzen (17 Prozent).