Aktienfonds-Serie: „Nie sollten sich Anleger in eine bestimmte Aktie verlieben“

Jens-Moestrup Rasmussen von Sparinvest

Jens-Moestrup Rasmussen von Sparinvest

// //

Jens Moestrup Rasmussen von der dänischen Fondsgesellschaft Sparinvest ist Manager des Aktienfonds Sparinvest Global Value (WKN: A0DQN4)

DAS INVESTMENT.com: Ihre drei Argumente bitte, warum Anleger derzeit Aktien kaufen sollten.

Jens Moestrup Rasmussen: Aus unserer Sicht sind Aktien derzeit in mehrfacher Hinsicht günstig – sowohl im Hinblick auf absolute Bewertungen als auch im Vergleich zu anderen Asset-Klassen. Ein Beispiel: Die Dividenden europäischer Aktien liegen derzeit bei rund 4 Prozent, das ist erheblich mehr als in weiten Teilen Europas mit Zinsen erzielt werden kann.

Darüber hinaus finden wir als fundamental orientierte Value-Investoren momentan sehr viel mehr Anlagechancen als in der Vergangenheit. Diese Vielfalt an Möglichkeiten bietet uns gute Chancen, in Unternehmen mit starken Fundamentaldaten zu investieren, deren Marktwert unter dem von uns ermittelten wahren inneren Wert (Anm. d. Red.: Fair Value) liegt.

Wenn – wie in den vergangenen Jahren – volkswirtschaftliche Probleme die Schlagzeilen der Nachrichten und das Tagesgeschehen bestimmen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Ängsten mehr Bedeutung zugemessen wird als Fundamentaldaten. So kommt es auch, dass Investoren in Aktien unterinvestiert sind. Viele Anleger verstecken sich in vermeintlich risikoarmen Anlagen. Oft wissen sie aber nicht, dass gerade ein solcher Rückzug risikoreich ist.

DAS INVESTMENT.com: Was sind derzeit Ihre Top-3-Märkte und -Sektoren?

Rasmussen: Als Value-Investoren versuchen wir weltweit unterbewertete, finanzstarke Unternehmen mit soliden Bilanzen aufzuspüren. Mit anderen Worten: Unser Portfolio ist das Ergebnis unseres Bottom-Up-Ansatzes. Wir sehen aktuell viele Anlagechancen in Ländern und Branchen, die bei der Mehrheit der Investoren nicht im Fokus stehen.

Die aktuellen Schwergewichte in unserem Portfolio sind die Branchen Industrie, Werkstoffe, Energie sowie höherwertige Konsumgüter. Der zuletzt genannte Sektor steht während einer Rezession zwar üblicherweise unter Druck, enthält jedoch einige sehr attraktive und robuste Unternehmen. In geographischer Hinsicht bevorzugen wir derzeit Japan, die USA, Großbritannien und Deutschland.

DAS INVESTMENT.com: Was können Anleger nächstes Jahr und die Kommenden danach erwarten?

Rasmussen: Wir geben keine Prognosen zum Aktienmarkt ab, da wir das für schlichtweg unmöglich halten. Wir glauben jedoch, dass künftig weniger Geld von Banken oder Regierungen zur Verfügung stehen wird, um strauchelnden Unternehmen zu helfen. Die einzigen Unternehmen, die deshalb künftige Turbulenzen in Markt und Wirtschaft überstehen werden, sind diejenigen, die sich aus eigener Kraft halten können, einen guten Überblick über ihre Finanzen haben und in rauen Zeiten umsichtig agieren.  

DAS INVESTMENT.com: Wie lässt sich der starke Abverkauf von Aktienfonds gegenüber dem „Run“ auf Rentenfonds Ihrer Meinung nach einordnen?

Rasmussen: Einerseits sind Anleger weiterhin risikoscheu. Andererseits erwirtschaften sie nichts, wenn sie nur Bargeld halten. Anleihen erfüllen den Bedarf nach Erträgen und haben eine niedrigere Volatilität als Aktien.

Trotzdem sollten Anleger sich auch hier vorsehen. Man kann heute nicht mehr risikofrei in Staatsanleihen investieren. Und höhere Zinsen bei Unternehmensanleihen bedeuten oft, dass sich diese Unternehmen am „gefährdeten Ende des Kreditspektrums“ bewegen. Wir glauben, dass das Abstoßen von Aktien ein zu hohes Maß angenommen hat und Investoren ihre Aktienanteile im Portfolio heraufsetzen sollten.

DAS INVESTMENT.com: Welche Rolle spielen die Emerging Markets und deren Einfluss auf die Weltwirtschaft bei Ihrer Titelauswahl?

Rasmussen: Wir wählen unsere Investitionen nicht danach, aus welchem Land die Unternehmen kommen, sondern wir schauen uns ihre Preise in Relation zu ihren inneren Werten an.

Mit unserem Global Value Fund kaufen wir nicht direkt Aktien von Unternehmen, die ihren Sitz in Schwellenländern haben. Für diesen Zweck haben wir zwei separate Fonds aufgesetzt, den Emerging Markets Value Fonds und den Ethical Emerging Markets Value Fonds.

Wir leben und arbeiten jedoch alle in einem globalen Markt. Unser Fonds enthält Aktien großer, multinationaler Unternehmen, die natürlich auch einen guten Teil ihres Einkommens aus Schwellenmärkten ziehen. So sind wir auch bei einem globalen Portfolio, das ausschließlich aus Unternehmen mit Sitz in entwickelten Märkten besteht, indirekt zu 25 Prozent in Schwellenländern investiert.