Anleihestrategien müssen flexibler werden

Jason Singer von Goldman Sachs Asset Management, <br> Foto: Copyright Goldman Sachs – all rights reserved

Jason Singer von Goldman Sachs Asset Management,
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Erst kürzlich wurde die Bonität der USA von einer der großen Rating-Agenturen herabgestuft. Der Verlust der Top-Note macht nur zu deutlich, wie dramatisch sich Weltwirtschaft und Märkte seit Beginn der Finanzkrise verändert haben.

Unerwartete Chancen und Risiken

Früher haben Anleger mit dem Wunsch nach stabilen laufenden Erträgen vor allem in US-Staatsanleihen oder anderer Industrieländer investiert. Heute allerdings finden sich Risiken und Chancen dort, wo sie niemand erwartet. Wir sind davon überzeugt, dass sich diese enormen Veränderungen nur mit besonders flexiblen und anpassungsfähigen Anleihestrategien nutzen lassen.

Lange war es üblich, vor allem in Staatsanleihen und staatlich garantierte Papiere zu investieren und kleinere Teile seines Vermögens in risikoreichere Asset-Klassen wie Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen anzulegen, die höhere Erträge versprachen. Nachdem sich aber die Investmentwelt durch die Finanzkrise verändert hat, halten wir den traditionellen Ansatz heute nicht mehr für sinnvoll.  

Wie die Herabstufungen der USA, Japans und einiger Länder des Euroraums zeigen, ist das Risiko von Staatsanleihen gestiegen. Viele Länder vollziehen einen Drahtseilakt. Einerseits müssen sie weiter stark wachsen, um ihre immer höheren Schulden zu bedienen, andererseits müssen sie sparen, um die Neuverschuldung in Schach zu halten. Dabei bieten ihre Anleihen mit rekordverdächtig niedrigen Renditen von etwa 1,85 Prozent nur wenig Gegenleistung für das erhöhte Risiko.

Und was wahrscheinlich noch wichtiger ist: Hinzu kommt, dass Anleihen wegen ihrer niedrigen Renditen heute nur noch eingeschränkt für Stabilität im Portfolio sorgen – denn nur hohe und nicht die derzeit niedrigen laufende Erträge bieten Schutz, wenn die Zinsen steigen.

Anlagestrategie 2.0

Angesichts der vielen Veränderungen an den Märkten müssen Anleger mit ihren Anleiheportfolios völlig neue Wege gehen. Erstens müssen Anleiheportfolios unseres Erachtens nach globaler sein als früher und Chancen nutzen, wo immer sie entstehen.

Zweites halten wir es für besser, Risiken dort einzugehen, wo es auch Chancen gibt und man diversifizieren kann. Dies scheint besser, als immer nur auf Staatsanleihen zu setzen, deren Risiken möglicherweise nicht ausreichend entlohnt werden. Schließlich sollte man bedenken, wie klein die Welt geworden ist. Risikobereitschaft ist eine globale Größe, die von einem Moment auf den anderen kippen kann. Deshalb müssen Anleiheportfolios heute so flexibel sein, dass man je nach Marktumfeld zwischen risikoreicheren Titeln und Staatsanleihen umschichten kann.