Ausblick 2018 Globale Aktien: Renditen schon vorweggenommen

Dominic Rossi, Investment-Stratege bei Fidelity International | © Fidelity International

Dominic Rossi, Investment-Stratege bei Fidelity International Foto: Fidelity International

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Für 2017 können die Aktienmärkte weltweit eine sehr gute Bilanz ziehen. Durch die Bank haben die Börsenbarometer gemessen in US-Dollar hohe zweistellige Renditen erzielt. An den Märkten wurde künftiges Gewinnwachstum eingepreist, und der Kurs mancher Aktie hat schwindelnde Höhen erreicht.

Daraus lässt sich schließen, dass Aktienanlegern 2018 ein rauerer Wind um die Ohren wehen kann. Aus meiner Sicht werden wir in den nächsten zwölf Monaten nur mit viel Glück positive Aktienrenditen sehen. Was aber nicht heißt, dass ich mit einem Bärenmarkt rechne, denn dafür sind die Rahmenbedingungen noch zu gut. Für wahrscheinlicher halte ich eine anhaltende Konsolidierungsphase oder vielleicht einen leichten Abwärtstrend an den Aktienmärkten. Ganz sicher aber wird 2018 ein Jahr, in dem sich Anleger nicht zu stark von der Marktentwicklung abhängig machen dürfen, sondern ihre Renditen über eine aktive Titelauswahl generieren sollten.

Renditen 2018? Das meiste wurde schon 2017 eingefahren

Einen Großteil des Weges in diesem Bullenmarkt haben wir inzwischen zurückgelegt, und den Faktoren, die ihn antreiben, geht nun langsam die Luft aus. Fehlen die fundamentalen Gründe für einen weiteren Kursanstieg, beginnt die Spekulation. So haben wir in überhitzten Bereichen des US-Aktienmarktes einige erstaunliche Kursbewegungen gesehen, insbesondere im IT-Sektor. Getrieben wurden sie vor allem von der Stimmung und haben mit den Fundamentaldaten nicht mehr viel zu tun (siehe Grafik).

Informationstechnologie – 2017 Spitzenreiter bei der Rendite:

                                                                                Quelle: Datastream, 22. November 2017

Erlebt man einen Bullenmarkt, der so lange dauert wie dieser und bei dem es sich um den zweitlängsten seit dem Zweiten Weltkrieg handelt, wundert es nicht, dass die Nervosität der Anleger steigt. Bei ihnen trifft dieser Bullenmarkt, der mit der Erholung nach der Finanzkrise 2009 begann, ohnehin auf wenig Gegenliebe. Ungewöhnlich an ihm ist auch, dass man starke und nachhaltige Käufe von Privatanlegern sowie eine allgemeine Euphorie an den Aktienmärkten bislang vergeblich sucht. Das aber ist auch der Grund für meine größere Gelassenheit hinsichtlich einer möglichen scharfen Kurskorrektur.

Mit einem massiven Kurseinbruch an den Aktienmärkten rechne ich jedenfalls nicht. Andernfalls müssten sich die Zinserwartungen schon drastisch korrigieren oder die Wirtschaft in eine Rezession abgleiten. Keines von beiden Ereignissen halte ich für sonderlich wahrscheinlich.

Gewinnerwartungen spiegeln sich bereits in den Kursen wider

Der Ausblick wird allerdings durch den Umstand getrübt, dass die Märkte 2017 die Renditen für 2018 vorweggenommen haben. Und weil sich die hohen Gewinnerwartungen bereits in den Kursen widerspiegeln, werden Aktien in dieser späten Zyklusphase vermutlich den Rückwärtsgang einlegen, wenn Anlegern klar wird, dass die Märkte über ihr Ziel hinausgeschossen sind. Auslöser einer solchen Bewegung dürften Hinweise auf eine allmähliche Normalisierung der Zinsen rund um den Globus sein.

Vor einigen Jahren hatte ich für den S&P 500 Index einen Stand von 2.700 Zählern bis zum Ende des Jahrzehnts prognostiziert. Momentan bewegt sich das Börsenbarometer um die Marke von 2.600. Da ich keine fundamentalen Gründe für eine Änderung meiner Prognose sehe, legt dies ein nominales Aufwärtspotenzial von 3 bis 4 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts nahe. Dazu kommen die Dividenden. Damit diese moderateren Renditen für Anleger attraktiv bleiben, darf sich die relativ geringe Volatilität nicht erhöhen. Steigt sie, bieten die Renditen Anlegern womöglich keine ausreichende Kompensation für das eingegangene Risiko.

Dass die Schwellenländer den Staffelstab in dieser späten Zyklusphase übernehmen, ist kaum zu erwarten. Denn ein Großteil der zuletzt guten Wertentwicklung geht auf Faktoren zurück, bei denen sich die Schwellenländer schon immer gut entwickelt haben: festere Rohstoffpreise, ein schwächerer Dollar und ein niedrigerer Diskontierungssatz.