Bantleon-Volkswirt Deutsche Konjunktur droht heiß zu laufen

Eisenbahnarbeiter überprüft einen Güterzug, der das VW-Werk mit neuen Golfs,  Tiguans und Tourans verlässt | © Getty Images

Eisenbahnarbeiter überprüft einen Güterzug, der das VW-Werk mit neuen Golfs, Tiguans und Tourans verlässt Foto: Getty Images

Die deutsche Wirtschaft schwebt auf Wolke sieben. Ob Industrie, Bau oder Großhandel, die Lage wird so gut wie lange nicht mehr bewertet. Auch die Verbraucher sind euphorisch, was angesichts der rekordtiefen Arbeitslosigkeit (2,5 Millionen gegenüber 5,0 Millionen Anfang 2003) nicht verwundert. Die gute Stimmung spiegelt sich parallel im Wirtschaftswachstum wider, das annualisiert im 1. Halbjahr 2017 bei 2,5 Prozent bis 3,0 Prozent lag. Steigert es sich 2018 weiter und droht dann zu überhitzen? Wird nur ein Teil der aktuell diskutierten Wahlprogramme umgesetzt, dürfte die Fiskalpolitik 2018 für zusätzliche Impulse sorgen.

Hinzu kommt, dass die Gewerkschaften bei den Löhnen mit den Hufen scharren und die Zentralbank nur langsam den Fuß vom Gaspedal nimmt. Es gibt jedoch auch Gegenkräfte. So deuten unsere Frühindikatoren auf ein nachlassendes Momentum in der Weltwirtschaft hin (untere Grafik). Daneben halten strukturelle Faktoren (rückläufige Erwerbsbevölkerung) die Unternehmen von Erweiterungsinvestitionen ab. Beides zusammen dürfte die Wachstumskräfte bremsen. Trotzdem hat das Risiko einer überbordenden Konjunktur – mit entsprechenden Inflationsgefahren – zweifellos zugenommen. Es wäre der erste heiß laufende Boom seit der Wiedervereinigung.