Deutschlands iShares-Leiter im Interview „Smart Beta ist eine gute Ergänzung“

 Peter Scharl, Leiter von BlackRocks ETF-Plattform iShares in Deutschland

Peter Scharl, Leiter von BlackRocks ETF-Plattform iShares in Deutschland

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DAS INVESTMENT: Was verstehen Sie unter Smart Beta?

Peter Scharl: Unter Smart Beta fallen Indizes, die nicht marktkapitalisiert gewichtet sind. Smart Beta ist eine sehr gute Ergänzung der etablierten Produkte. Es eignet sich besonders für Anleger, die ihre Portfolios noch genauer auf die einzelnen Risiko- und Renditetreiber herunterbrechen möchten.

Wird Smart Beta Ihrer Meinung nach eine Nische bleiben?

Scharl: Von einer Nische würde ich nicht sprechen. In Europa stehen wir hier zwar noch am Anfang, aber der Markt entwickelt sich dynamisch. Der US-Markt ist auf diesem Gebiet schon etwas weiter. Ein Blick auf die Zahlen untermauert dies. Im ersten Quartal gingen knapp 20 Prozent der Zuflüsse an Smart-Beta-Produkte. Auch in Deutschland ist die Nachfrage sehr hoch und kommt von allen Investorengruppen. Vor allem der Bereich Minimum Volatility ist stark gefragt.

Was macht Minimum-Volatility-ETFs so attraktiv?

Scharl: Das Konzept leuchtet ein und es passt sehr gut in die aktuelle Marktphase. Das Produktziel ist klar gesteckt: eine Partizipation an dem jeweiligen Aktienmarkt, aber mit weniger starken Schwankungen, als die klassischen Aktienindizes aufweisen. Wir bieten in diesem Bereich vier Produkte an. Uns kommt zugute, dass sie mittlerweile einen Track Record von mehr als drei Jahren haben und mit ihrer Performance durchaus beeindrucken können. Zum Beispiel hat der klassische US-Aktienindex S&P 500 im ersten Quartal 2016 um 1,5 Prozent zugelegt, der S&P 500 Minimum Volatility hingegen schaffte in der Fondswährung US-Dollar 7,4 Prozent. Eine Outperformance lässt sich über einige Zeiträume der letzten 3 Jahre beobachten.

Sie bieten weitere ETFs auf einzelne Faktoren wie Größe, Value, Qualität und Momentum an. Sind diese weniger gefragt?

Scharl: Auch bei den Single-Factor-ETFs haben wir Zuflüsse gesehen, allerdings geringere als bei den Minimum-Volatility-Produkten. Grundsätzlich ist der deutsche Investor affin für komplexe Konzepte, jedoch prüft er diese auch genau. Bei den Single-Factor-Produkten dauert der Vorgang eben etwas länger. Man muss nicht nur die Faktoren verstehen, sondern auch den richtigen Zeitpunkt abpassen, denn nicht jeder Faktor funktioniert in jedem Konjunkturzyklus gleich gut. Dieses Market Timing trauen sich einige Investoren noch nicht wirklich zu.

Die Lösung sind Ihre neuen Multi-Faktor-ETFs?

Scharl: Ja, genau. Diese Produkte vereinen vier Faktoren in einem ETF. Alle vier Faktoren sind gleich gewichtet und werden regelmäßig rebalanciert. Die Fonds kommen vor allem in Deutschland sehr gut an. Überraschenderweise stammt die größte Nachfrage nicht wie erwartet aus dem Private-Wealth-Bereich, sondern von institutionellen Investoren, zum Beispiel von Pensionskassen. Diese wollen über das Produkt einen einfachen Zugang zum Thema Factor Investing bekommen.

Wer ist an den anderen Smart-Beta-Produkten interessiert?

Scharl: Das ist recht unterschiedlich. Die Minimum-Volatility-Fonds verkaufen sich über alle Bereiche hinweg – vom institutionellen bis zum Retail-Investor. Unsere Einzel-faktor-ETFs hingegen werden bislang in erster Linie von Asset-Managern erworben, die diese als Bausteine im Portfolio einsetzen. Wir gehen aber fest davon aus, dass auch die Einzelfaktor-Produkte künftig stärker nachgefragt werden.

Welche neuen Trends sehen Sie beim Thema Smart Beta?

Scharl: Die Branche macht sich zunehmend Gedanken, wie man Smart Beta auch im Fixed-Income-Bereich nutzen kann. Das Angebot an Indizes ist auf diesem Gebiet noch ziemlich überschaubar. BlackRock arbeitet gegenwärtig an Konzepten, mit denen auch im Anleihenbereich sinnvolle Smart-Beta-Lösungen angeboten werden können.

Ein Blick in die Zukunft: Welche Rolle wird Smart Beta künftig bei iShares spielen?

Scharl: Für uns ist dies ein strategisches Thema. So wie vor einigen Jahren der Anleihebereich, der mittlerweile ein Hauptwachstumstreiber bei iShares ist. Da im Niedrigzinsumfeld jeder Basispunkt Performance bedeutet, stößt Factor Investing momentan auf großes Interesse. Hinter Faktorstrategien steckt eine Systematik, sodass sie sich über Indizes und damit perfekt über ETFs abbilden lassen. Wir gehen davon aus, dass sich Factor Investing über die Zeit als fester Bestandteil beim Management von Portfolios etablieren wird.